Der Handelskrieg zwischen den USA und China kann auch andere Formen annehmen als «nur» über Zölle. Die Chinesen sind der grösste Gläubiger des US-Finanzministeriums. Dies ist eine nicht zu unterschätzende Waffe. Gemäss aktuellen Statistiken für den Monat März beläuft sich der Wert von US- Staatsanleihen in chinesischer Hand auf 1,12 Bio. $, was einem Anteil von etwa 17% an der gesamten ausstehenden Schuld in ausländischer Hand entspricht. Insgesamt befinden sich 6,47 Bio. $ an US-Staatsanleihen in ausländischem Besitz. China hat im März erneut US-Treasuries im Wert von 20,5 Mrd. $ veräussert. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2012 haben die Chinesen ihren Bestand an US-Treasuries um insgesamt 200 Mrd. $ reduziert.

Das symbiotische Verhältnis zwischen den USA und China ist nachhaltig gestört. Bis anhin war der Deal so, dass die USA Waren aus China einführten, während die Chinesen eifrig die Staatsschuld der USA aufkauften und somit dazu beitrugen, die Zinsen auf US-Treasuries niedrig zu halten. Stellen sie ihre Käufe ein oder reduzieren sie den Bestand weiter, müsste dies zu einem Anstieg der Zinsen besonders langlaufender US-Staatsanleihen führen. Dies ist für die derzeitige US-Administration schmerzhaft, denn das Fiskaldefizit steigt. Auch für das Wahljahr 2020 muss man von grosszügiger Fiskalpolitik der amtierenden Regierung ausgehen. Das erhöht die Wiederwahlchancen.

Durch die Obligationenverkäufe des grössten Gläubigers sollte die aktuell sehr flach verlaufende Zinsstrukturkurve in den USA steiler werden, vorausgesetzt, das Fed nimmt tatsächlich keine weiteren Leitzinserhöhungen mehr vor. Im derzeitigen Umfeld erhöhter Unsicherheit fliehen die Anleger wieder in sichere Häfen. US-Treasuries stehen somit oben auf dem Einkaufszettel. Das dämpfte bis anhin die Wirkung des Rückzugs der Chinesen als Käufer der Schulden.

Quelle der Grafik: Bloomberg

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