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Der Chart des Tages

Noch ist die Rezession nicht da.

Martin Lüscher

Hat der Anleihenmarkt recht, beginnt in Amerika bald eine Rezession. Denn seit mehr als zwei Wochen ist die US-Zinskurve invers – zumindest wenn die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen mit derjenigen der dreimonatigen Staatspapiere verglichen wird: Langfristige Treasuries rentieren mit 2,13% derzeit 20 Basispunkte weniger als US-Staatspapiere mit einer Laufzeit von drei Monaten.

Bleibt die Kurve für längere Zeit invers – also für mehr als nur ein paar Tage wie im März –, beginnt laut BCA Research in den folgenden zwölf Monaten im Durchschnitt eine Rezession. Wann genau dies der Fall ist, können die Analysten allerdings nicht sagen.

Diesbezüglich hilft Claudia Sahm weiter. Die Ökonomin des Federal Reserve hat aus der Arbeitslosenrate einen Indikator abgeleitet, der zeitnah das Eintreten einer Rezession ankündigen soll. Sie vergleicht die durchschnittliche Arbeitslosenrate der vergangenen drei Monate mit der niedrigsten Arbeitslosenrate der vergangenen zwölf Monate. Beträgt die Differenz mehr als 50 Basispunkte, ist die Rezession da.

Derzeit ist die Differenz mit 13 Basispunkten noch weit von der Schwelle zur Rezession entfernt. Daran dürfte sich auch am Freitag nichts ändern. Dann publiziert das US-Statistikamt die Arbeitsmarktdaten für Mai. Damit der Indikator vor einer Rezession warnt, müsste die Arbeitslosenrate von 3,6 auf 5% emporschnellen. Dies ist trotz aller aktuellen Unsicherheiten aber eher unwahrscheinlich.

(Quelle der Grafik: Brookings)

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