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Der Chart des Tages

Der Anleihenkauf der Notenbanken bringt nicht zwangsläufig tiefere Zinsen.

Andreas Neinhaus

Mit Blick auf die mit Spannung erwartete Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag gilt es eine Tatsache in Erinnerung zu rufen. Wenn in der Vergangenheit Notenbanken damit begannen, Anleihen anzukaufen, fielen deshalb nicht zwangsläufig die Marktzinsen.

Häufig war sogar das Gegenteil der Fall, wie der Chart zeigt: Der zehnjährige Euro-Swapsatz begann zu steigen, nachdem das Federal Reserve respektive ab 2015 die EZB Ernst gemacht hatten und Anleihen systematisch erwarben.

Die alte Börsenregel «Buy the rumor, sell the fact» scheint auch am Anleihemarkt zu gelten. Es genügt, dass Notenbanken QE ankündigen – oder sogar nur ihre Bereitschaft erklären, QE zu betreiben –, damit die Anleihenkurse steigen und spiegelbildlich dazu die Verzinsung fällt. Wenn dann später die offiziellen Interventionen einsetzen, ist die Wirkung am Markt bereits weitgehend eingepreist.

Übertragen auf die EZB-Sitzung heisst das: Solange die Währungshüter die Fantasien von der Wiederaufnahme der Anleihenkäufe nähren, werden die Zinsen am Kapitalmarkt ihre Abwärtsfahrt fortsetzen.

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