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Der Chart des Tages

Rezessionsindikator widerspricht der inversen Zinskurve.

Martin Lüscher, New York

Geht es nach der US-Zinskurve, dann ist der Fall klar: Eine Rezession steht bevor. Seit dem 28. Mai ist der Bereich zwischen drei Monaten und zehn Jahren Laufzeit meist invers. Die kurzfristige Rendite liegt also höher als die langfristige. Die grösste Differenz erreichte die Zinskurve seit dem Eintritt der Inversion mit 29 Basispunkten am Mittwoch.

Das Modell der Distriktnotenbank New York des Federal Reserve, das auf der Zinskurve basiert, beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten zwölf Monaten per Ende Juli mit 31%. Auf diesem Niveau folgte in den vergangenen fünfzig Jahren zuverlässig ein wirtschaftlicher Abschwung. Fehlsignale gab es keine. Ein anderer Indikator, für den das aber auch zutrifft, warnt momentan nicht vor einer Rezession.

Denn vor jeder US-Rezession in den vergangenen fünfzig Jahren wurden die staatlichen Ausgaben im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung reduziert. Heute ist dies aber nicht der Fall. Das Haushaltsdefizit unter US-Präsident Donald Trump steigt und steigt. In einem solchen Szenario gab es seit 1965 noch nie einen Abschwung der Wirtschaft. Denn bei einer inversen Zinskurve war normalerweise auch die Fiskalpolitik restriktiv.

Welcher der beiden Indikatoren nun recht behalten wird, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Die Diskrepanz zeigt aber, dass die heutige Situation nicht so eindeutig ist, wie es die inverse Zinskurve vermuten lässt.

(Quelle der Grafik: Leuthold Group)

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