Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Der Segen fallender Renditen.

Alexander Trentin

Des einen Freud, des anderen Leid. Sparer, die auf sichere Anlagen angewiesen sind, finden in den Staatsanleihen immer weniger laufende Rendite. In der Schweiz notiert die gesamte Zinskurve unter null – egal, welche Laufzeit: Der Staat bezahlt keine Zinsen mehr. In den USA notiert die dreissigjährige Rendite nun unter 2%. Das ist der tiefste jemals gemessene Marktzins für eine solch lang laufende Treasury-Anleihe.

Wer aber die Staatsanleihen weiter gehalten hat, der gewinnt. Denn wenn die Rendite am Anleihenmarkt sinkt, steigt der künftige Wert der Coupons von Anleihen. Der Preis der Bonds steigt. Dank der wieder fallenden Renditen können sich besonders Investoren von langlaufenden Anleihen über fantastische Performance-Gewinne freuen, wie die obige Grafik zeigt. Denn je länger ein Bond läuft, desto höher die Sensitivität auf die Zinsentwicklung (Duration).

Der Preis der noch bis 2117 laufenden österreichischen Anleihe hat sich im Wert seit Anfang 2018 verdoppelt. Die im Jahr 2043 zurückzuzahlende US-Treasury hat seit Januar 2018 14% zugelegt. Mit einer schweizerischen Anleihe mit Laufzeit bis 2064 hat man einen Performance-Gewinn von mehr als einem Drittel erreicht. Dank niedrigerem Risikoaufschlag konnte die bis 2066 laufende spanische Staatsanleihe ein Plus von 70% erzielen.

Aber diese Performance kann nur gehalten werden, wenn die Zinsen weiterhin niedrig bleiben. Manche Beobachter sehen die Anleihen daher in einer Blase – die Renditen seien zu stark gesunken, die Preise zu stark gestiegen. Die Kurse der Bonds können also schnell wieder einbrechen, wenn die Zinsen doch einmal drehen sollten.

Leser-Kommentare