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Der Chart des Tages

So teuer wie noch nie.

Frank Heiniger

Während in geldpolitisch normaleren Zeiten Überbewertungen meist auf einzelne Vermögensklassen begrenzt sind, scheint die Kapitalschwemme gegenwärtig alle Boote zu heben. So haben sich sowohl die Aktien- als auch die Bondmärkte gleichermassen von vernünftigen Bewertungsniveaus entfernt. Das zeigt exemplarisch ein Portfolio, das sich zu 60% aus Aktien und 40% aus Anleihen zusammensetzt.

Für die Bewertung des Aktienteils stützen sich die Analysten von Morgan Stanley auf die Gewinnrendite – den Kehrwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) –, basierend auf dem Shiller-KGV, das die Gewinne der vergangenen zehn Jahre betrachtet und damit die Kenngrösse über den Konjunkturzyklus glättet. Für die Bewertung des Anleihenteils konsultieren die Analysten zehnjährige Staatsanleihen und Unternehmensbonds mit Anlagequalität (USA) respektive ausschliesslich die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen (Europa).

Mit 3,4% notiert die nominale Portfoliorendite in den USA (dunkelblaue Kurve) auf einem neuen Allzeittief und hat damit die bisherigen Extremwerte der Dotcom-Blase unterschritten. Da sich die Rendite jeweils entgegengesetzt zum Kurs bewegt, war das Portfolio folglich noch nie so teuer wie jetzt. Ähnlich hoch ist die Bewertung im europäischen Finanzmarkt (hellblaue Kurve), wenn auch die verfügbare Historie hier nicht so weit zurückreicht wie in den USA.

Das Bild bleibt grösstenteils bestehen, selbst wenn man die Zeitreihe mit den Inflationsraten bereinigt – also die realen statt die nominalen Renditen betrachtet. In den USA ist der Wert nicht weit von einem Siebzigjahresrekord entfernt.

(Quelle der Grafik: Morgan Stanley)

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