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Der Chart des Tages

Hundert Jahre Geldpolitik auf einen Blick.

Andreas Neinhaus

An der diesjährigen Notenbankkonferenz in Jackson Hole bot sich den Anwesenden eine seltene Gelegenheit. Sie konnten die Geldpolitik des Federal Reserve Board seit seiner Gründung im Jahr 1913 auf einen Blick verfolgen. Möglich machte das Athanasios Orphanides, Wirtschaftsprofessor an der Sloan School of Management der amerikanischen Eliteuni MIT.

Die von ihm vorgelegte Grafik zeigt den Leitzins (blaue Linie) und die Bilanzsumme der US-Zentralbank (grüne gestrichelte Linie). Bis 1989 handelt es sich beim Leitzins um den Diskont, danach um den Fed-Funds-Zielsatz. Die Bilanzsumme ist anfangs im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt (BSP) und später zum Bruttoinlandprodukt (BIP) aufgeführt.

Orphanides hebt den Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 und den Bankenkollaps 2008 hervor (senkrechte schwarze Linien). Zwar stieg danach beide Male die Bilanzsumme des Fed auf rund 20% des BSP/BIP, aber die unmittelbare Reaktion fiel unterschiedlich aus. 1929 liessen sich die Notenbanker zu lange Zeit und senkten die Zinsen zu zögerlich. Sie trugen damit zur Grossen Depression bei.

Achtzig Jahre später handelte das Fed hingegen rasch und verhinderte Schlimmeres: Der Leitzins wurde auf null gedrückt, und es wurde am Kapitalmarkt interveniert durch Bereitstellung von Liquidität und den Ankauf von Wertschriften. Die Fed-Bilanz verlängerte sich umgehend.

Der Blick in die Vergangenheit könnte auch einen Hinweis liefern, wie die Bilanz zurückgefahren werden könnte. In der Vergangenheit liess das Fed sich damit über zwanzig Jahre Zeit.

(Quelle: Athanasios Orphanides, Jackson Hole 2019)

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