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Der Chart des Tages

Down Under.

Frank Heiniger

Die australische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr um 1,4% gewachsen. Down Under setzt damit einen aussergewöhnlichen Rekordlauf fort: Von allen Ländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) weist Australien inzwischen mit 110 Quartalen die längste Phase ununterbrochenen Wirtschaftswachstums auf.

Konkret bedeutet das: Seit Anfang der Neunzigerjahre hat das Land keine zwei Quartale in Folge mit negativem Wirtschaftswachstum erlebt, was von Ökonomen gemeinhin als technische Rezession interpretiert wird. Während viele Industrieländer sowohl nach dem Platzen der Dotcom-Blase als auch während der Finanzkrise 2008/09 negative Wachstumsraten aufwiesen, konnte sich Australien beide Male dem Abschwung entziehen.

Der Rekord bleibt auch dann bestehen, wenn man die Wachstumsraten nicht gegenüber dem Vorjahr, sondern gegenüber dem Vorquartal misst. Zwar musste Australien seit 1992 vereinzelt Quartale mit einer sequenziellen Kontraktion hinnehmen – so beispielsweise Ende 2008 und Anfang 2011. Der Binnenwirtschaft gelang es jeweils aber umgehend, in die Expansionszone zurückzukehren.

Angesichts der Tatsache, dass das Wirtschaftswachstum auf den niedrigsten Stand seit rund zehn Jahren gefallen ist, dürfte den Australiern dennoch kaum nach feiern zumute sein. Die australische Notenbank könnte sich bald gezwungen sehen, die Leitzinsen weiter zu reduzieren. Die Analysten der Commonwealth Bank of Australia gehen momentan davon aus, dass die Währungshüter sowohl im November als auch im Februar die Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte auf 0,5% senken werden, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln.

(Quelle der Grafik: Bloomberg)

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