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Der Chart des Tages

Die monetäre Bazooka hat ausgedient.

André Kühnlenz

Weltweit steigen seit Ende August die Marktzinsen (Renditen) von Staatsanleihen: im Euroraum, in Japan, in den USA und auch in der Schweiz. Davon sind vor allem die länger laufenden Obligationen über zehn oder dreissig Jahre betroffen.

Bei kürzeren Laufzeiten (zum Beispiel zwei Jahre), die sensibel auf Leitzinsänderungen der Notenbanken reagieren, geht es nicht so stark hinauf. Anleihenfachleute nennen so etwas die Versteilerung der Zinskurve.

Das ist deswegen interessant, weil Ökonomen aus dem Zinsabstand zwischen kurz- und langfristigen Staatsanleihen auch immer Warnsignale für eine Rezession ablesen wollen. Noch ist die Differenz (Spread) zwischen zehnjährigen Renditen und Dreimonatszinsen in den USA zwar negativ, doch sie wird immer geringer. Zweijährige Treasuries rentieren mit einem Abstand von 5 Basispunkten (0,05 Prozentpunkten) wieder deutlich über zweijährigen (Rendite 1,67% am Mittwoch).

Für die Eurozone, wo die deutschen Bundesanleihen richtungweisend sind, fallen die steigenden Renditen auch deswegen auf, weil sie bisher in diesem Jahr jeweils an den Tagen rund um die EZB-Sitzungen immer gesunken sind. Nur vor der Sitzung morgen Donnerstag ist dies nicht der Fall.

Strategen erkennen am europäischen Staatsanleihenmarkt vor allem einen Grund für die steigenden Renditen: die wachsenden Zweifel im EZB-Rat an einem neuen Anleihenkaufprogramm, das am Donnerstag auf der Tagesordnung der Sitzung steht. Und so könnte es sein, dass der EZB-Rat das Programm doch noch verzögert oder sogar abbläst.

Denn so richtig klar ist nicht, was es noch bringen soll, wenn die EZB wieder anfängt, den Bestand an Anleihen auf der Bilanz zu erhöhen. Dazu schreibt Kit Juckes, Währungsstratege der Société Générale, am Mittwoch: «Auch auf die Gefahr hin, wie der Sprung auf einer Schallplatte zu klingen: Es ist die fiskalische Bazooka, die jetzt gebraucht wird, und nicht die ausgediente monetäre.»

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