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Der Chart des Tages

Musterknabe SMI.

Frank Heiniger

Gerade US-Unternehmen haben das langjährige Niedrigzinsumfeld dazu genutzt, verstärkt Fremdkapital aufzunehmen. Das lässt sich an verschiedenen Verschuldungskennzahlen ablesen, die im Nachgang der Finanzkrise 2008/09 klar gestiegen sind.

Weniger extrem präsentiert sich diese Entwicklung in Europa, wo die Gesellschaften bislang eine grössere Kapitaldisziplin an den Tag gelegt haben. Seit Anfang 2019 scheinen nun aber auch sie vermehrt damit begonnen zu haben, ihren Verschuldungsgrad (Leverage) auszubauen.

Das belegt eine Studie von Société Générale. Sie illustriert, dass in der Mehrheit der betrachteten Branchen die Verschuldung gemessen an den Nettoverbindlichkeiten zum Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation) inzwischen wieder über dem Durchschnitt (Median) der vergangenen zwanzig Jahre notiert. Besonders deutlich hat sich die Kennzahl in den Sektoren Gesundheit und IT verschlechtert, wobei Letzterer von einer Nettocashposition zu einer Nettoverschuldung gewechselt hat.

Auf Länderebene zeigt sich, dass der Verschuldungsgrad in der europäischen Peripherie besonders hoch ist – auch wenn die Vergleichbarkeit wegen der unterschiedlichen Sektorgewichte eingeschränkt ist. Den höchsten Leverage weisen italienische Unternehmen auf (FTSE Mib), gefolgt von den spanischen (Ibex 35). Auf der anderen Seite des Spektrums figurieren die Gesellschaften im Schweizer Leitindex SMI, die mit einem Verhältnis von Nettoverschuldung zu Ebitda von unter 1,5 die niedrigste Ratio aufweisen.

Eine ähnliche Rangierung ergibt sich bei der Solvenz. Sie wird über den Zinsdeckungsgrad gemessen. Er bildet ab, wie oft man mit dem Gewinn auf Stufe Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) die laufenden Zinskosten bezahlen könnte. Mit einem Verhältnis von 4,1 liegen die Unternehmen im FTSE Mib erneut an letzter Stelle, während der SMI mit einem Wert von über 13 nur knapp hinter dem japanischen Nikkei 225 Platz zwei belegt. Die Schweizer Konzerne scheinen also gerüstet zu sein, wenn die Zinsen und damit auch die Zinskosten wieder zu steigen beginnen.

Quelle der Grafik: Société Générale

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