Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Höherer Mindestlohn führt nicht zu Entlassungen.

Martin Lüscher, New York

Die Grenze zwischen den Ortschaften Waverly und Sayre verläuft entlang des Southern Tier Expressway. Im Norden der Autobahn Nummer 86 liegt der Staat New York, im Süden Pennsylvania. Das Esslokal im Norden heisst «Town Diner», dasjenige im Süden «Banana Curve Diner». Möbel und Matratzen verkauft in Waverly das Einrichtungshaus Ward, in Sayre gibt es dafür das Walmart Supercenter.

Aussergewöhnlich sind diese beiden Grenzorte an der amerikanischen Ostküste nicht. Sie beantworten aber eine Frage, die sich Ökonomen stellen, seit es den Mindestlohn gibt. Führt ein höherer Mindestlohn zu Entlassungen oder zu niedrigerer Arbeitszeit? Das ist gemäss einer Analyse der Distriktnotenbank New York nicht der Fall.

Die Ökonomen Jason Bram, Fatih Karahan und Brendan Moore haben untersucht, wie sich die Zahl der Beschäftigten sowie der durchschnittliche Wochenlohn in Grenzgemeinden von New York und Pennsylvania in den vergangenen Jahren verändert haben. Denn während Pennsylvania den Mindestlohn von 7.25 $ unangetastet liess, wurde er in New York seit Dezember 2013 schrittweise erhöht – nicht davon profitieren allerdings Angestellte, die Trinkgeld erhalten.

Im Einzelhandel hat der steigende Mindestlohn in New York nicht zu einer Beschleunigung des Stellenrückgangs geführt. Schneller gestiegen ist in New York verglichen mit Pennsylvania hingegen der durchschnittliche Wochenlohn. Ähnlich sieht das Bild im Freizeit- und im Gaststättengewerbe aus. Auch dort hat der höhere Mindestlohn das Stellenwachstum nicht belastet, und auch dort wuchs der durchschnittliche Wochenlohn in New York schneller als in Pennsylvania.

(Quelle der Grafik: New York Fed)

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.