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Der Chart des Tages

Ein Hoch auf die Haushalte.

Pascal Meisser

Kommt die Rezession nun – oder kommt sie nicht? Eine Frage, die eigentlich per se nicht beantwortet werden kann. Und dennoch beschäftigt sie mit Abstand am stärksten die vermögenden Leute. Dies zumindest hat eine Umfrage von JPMorgan Asset Management unter ihren Kunden ergeben, wie der Vermögensverwalter Anfang Woche an einer Medienveranstaltung in London bekanntgegeben hat.

Gleichzeitig gab Marktstrategin Karen Ward zumindest eine Teilentwarnung. Die Rezession werde kaum so tiefgreifend ausfallen wie beim letzten Mal, als die globale Wirtschaft schrumpfte. Ihr Optimismus basiert auf dem heutigen Chart des Tages, der den Zustand der Haushalte spiegelt.

Im Vergleich zu den letzten zwei Rezessionen sind vor allem die privaten Haushalte deutlich besser aufgestellt. Früher hatte der wirtschaftliche Aufschwung zu Euphorie bei den Konsumenten geführt, entsprechend wurde nicht nur die private Sparquote heruntergefahren, sondern auch Erspartes ausgegeben.

In der vergangenen Dekade herrschte aber deutlich grössere Vorsicht und Zurückhaltung. Sowohl an der Börse wie auch beim Konsumverhalten machte sich keine überschwängliche Stimmung breit. Zu prägend scheinen die Erfahrungen der globalen Finanzkrise gewesen zu sein. Gleichzeitig hat die private Verschuldung gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP, englisch GDP) deutlich abgenommen.

Aus diesen Vorzeichen kommt Strategin Ward zum Schluss, dass anders als in der Finanzkrise diesmal zumindest die Haushalte in der Lage sind, mit ihrem Konsum allfällige Schwächen der Weltwirtschaft teils auszugleichen.

Deutlich besorgniserregender sieht es aufseiten der Unternehmen aus. Sie haben im Tiefzinsumfeld deutlich mehr Schulden angehäuft, während die Eigenkapitalquote stark rückläufig ist. Unternehmen würden in die nächste Rezession mit den qualitativ schlechtesten Bilanzen seit vielen, vielen Jahren gehen, warnt etwa Legal & General Investment Management in ihrem Ausblick für die kommenden Monate.

(Quelle der Grafik: JPMorgan Asset Management, basierend auf Daten vom US Bureau of Economic Analysis BEA und Refinitiv Datastream)

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