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Der Chart des Tages

Chinas Wachstum ist schwach.

Alexander Trentin

Die obige Grafik zeigt das offizielle Wirtschaftswachstum Chinas (schwarze Linie) und die Messung der wirtschaftlichen Aktivität anhand eines Index von realwirtschaftlichen Daten (Aktivitäts-Index, rote Linie). Seit 2015 ist die Schere zwischen offiziellen BIP-Zahlen und dem Aktivitätsindex immer offensichtlicher.

«Der Tracker basiert auf Hochfrequenzdaten, die das BIP bis 2015 gut erklären, seitdem zeigt sich das Wachstum seltsam stabil», beobachten Analysten des Bankenverbands IIF. Man darf annehmen, dass die Regierung seitdem geschönte Daten zur allgemeinen Beruhigung publiziert.

Die gute Nachricht: Die wirtschaftliche Aktivität konnte sich trotz aller Unsicherheit um den Handelskrieg über die vergangenen Monate halten. Mit einem Wert von zuletzt 4,9% im Jahresvergleich ist der Indexwert aber deutlich unter dem offiziell ausgewiesenen Wachstum von 6%.

Die Politik schafft es, die Wirtschaft mit günstigen Krediten über Wasser zu halten: «Staatliche Unterstützung für kreditintensive Sektoren hat den Einfluss der US-Zölle ausgeglichen», beobachten die IIF-Analysten. Aber gerade wichtige Industriebereiche, die eine hohe Wertschöpfung aufweisen, leiden unter dem Handelsstreit – dazu gehört die Elektronikindustrie.

Der Staat hätte die Möglichkeit, das Wachstum durch mehr Stimulusmassnahmen wie etwa höhere Infrastrukturausgaben wieder aufzupäppeln. Doch man hält sich zurück und setzt nur auf gezielte Massnahmen, um das Wachstum weiterhin zu stabilisieren. Die Frage ist, ob dieser zurückhaltende Ansatz auch weiterhin wirkt. Immerhin signalisiert der Einkaufsmanagerindex als Frühindikator im Oktober den sechsten Monat in Folge eine Kontraktion der chinesischen Industrie an.