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Der Chart des Tages

Schweizer Zinserhöhung durch die Hintertür.

André Kühnlenz

Als die europäischen Notenbanker im September die durchschnittlichen Kontogebühren für die Einlagen der Banken gesenkt haben, hatten sie einen bestimmten Effekt im Sinn: Sie führten wie die Schweiz einen gestaffelten Negativzins (sprich: Kontogebühr) ein, indem sie den Geldhäusern Freibeträge einräumten. Die Europäische Zentralbank (EZB) entlastet damit den Bankensektor als Ganzes, der seine überschüssigen Geldmittel ohnehin nur bei der Zentralbank parken und niemals an die Realwirtschaft verleihen kann.

Das Besondere: Während die durchschnittlichen Kontogebühren für die Banken bei der EZB Ende Oktober dank der neuen Freibeträge also gesunken sind, hat die Notenbank aber zugleich den Einlagensatz selbst noch tiefer ins Negative gedrückt: von –0,4 auf –0,5%.

Was auf den ersten Blick wie eine Belastung der Banken aussah, hat sich am Ende als Entlastung herausgestellt. Gleichzeitig haben sich die Geldmarktzinsen für Übernacht sofort am neuen Einlagensatz von –0,5% orientiert, was tendenziell die Kreditkosten der Realwirtschaft senkt.

Saron steigt um 0,1 Prozentpunkte

Der entscheidende Geldmarktsatz im Euroraum (dieser Übernachtzins heisst Eonia) hat sich vergangene Woche kaum bewegt, als die EZB die Freibeträge einführte. Zuvor hatten Analysten es noch für möglich gehalten, dass der Eonia (oder der Nachfolger Estr) ebenfalls weniger weit im Minus stehen wird. Doch das war nicht der Fall: Eonia wird derzeit bei –0,45% festgelegt, minimal höher als eine Woche zuvor.

Ganz anders in der Schweiz: Hier stieg der Saron, der neue Referenzzins für Übernachtkredite in Franken, am 1. November um rund 0,1 Prozentpunkte von –0,73 auf –0,64%. Die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 5500 1.1%)) strebt mit ihrem Einlagensatz eigentlich einen Saron von –0,75% an.

Für Alexander Koch, Ökonom bei Raiffeisen Schweiz, ist die Erklärung einfach: Ursache sei die Erhöhung der Negativzins-Freibeträge für die Banken per 1. November, die die SNB in der Folge des EZB-Entscheids beschlossen habe. Dabei können hiesige Institute derzeit einen Freibetrag bis zum 25-Fachen der Mindestreserve (nach Abzug der Bargeldhaltung) geltend machen. Im Euroraum gilt ein Faktor von 6.

Koch schreibt mit Blick auf die Schweiz: «Die Banken sind davon sehr unterschiedlich betroffen. Noch ausschöpfbare Freibeträge können nun an andere Marktteilnehmer weiterverliehen werden, zu einem angemessenen Zins natürlich.» Der Anstieg des Saron blieb mit 0,1 Prozentpunkten aber begrenzt, vor allem weil die SNB zur Absicherung sofort selbst am Geldmarkt vertreten gewesen sei, schreibt Koch weiter.

Die Schweizer Währungshüter werden wohl auch weiterhin genau beobachten, wie sich der Geldmarktsatz entwickelt, und wenn nötig handeln.

(Quelle der Grafik: Raiffeisen Schweiz)