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Der Chart des Tages

Es mangelt an Qualität.

Martin Lüscher, New York

Es ist paradox. Mit 3,6% ist die Arbeitslosenrate in den USA so niedrig wie zuletzt vor einem halben Jahrhundert. Zudem schafft der amerikanische Arbeitsmarkt seit Oktober 2010 Monat für Monat neue Stellen – so lange wie noch nie zuvor. Doch offenbar ist das nicht genug.

Denn gemäss der US-Notenbank (Fed) kann jeder Sechste im Land die Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen. Vier von zehn Amerikanern haben zudem Schwierigkeiten, unvorhergesehene Ausgaben in der Höhe von 400 $ zu stemmen.

Eine Erklärung für diesen Widerspruch hat Daniel Alpert von der Cornell-Universität. Mit Co-Autoren vergleicht der Ökonom in einer Studie die «Qualität» auf dem Arbeitsmarkt. Er setzt die Zahl der Hochlohnstellen den Arbeitsplätzen mit niedriger Bezahlung gegenüber. Das ergibt den Job Quality Index.

Beträgt der Wert des Index mehr als 100, gibt es mehr Arbeitsstellen mit guter Bezahlung – wie beispielsweise in der Industrie – als Niedriglohnjobs, wie etwa im Gastrogewerbe. Das ist jedoch leider nicht der Fall.

Denn seit den Neunzigerjahren zeigt der langfristige Trend nach unten. Gab es vor dreissig Jahren etwa gleich viele Jobs von hoher wie von niedriger «Qualität», machen die schlechter bezahlten heute 60% aller Stellen aus.

So gut in Form, wie die niedrige Arbeitslosenquote von 3,6% vermuten lässt, ist der US-Arbeitsmarkt also nicht.

(Quelle der Grafik: Daniel Alpert, Jeffrey Ferry, Robert C. Hockett und Amir Khaleghi)