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Der Chart des Tages

Überschätzte Dollarstärke.

Andreas Neinhaus

Donald Trump beschwert sich häufig und gerne über den angeblich rekordhoch notierenden Dollar. Er schade der US-Wirtschaft und verschaffe China und Europa einen unlauteren Konkurrenzvorteil. Zwei Forscher weisen nach, dass der umstrittene US-Präsident auch in dieser Frage unrecht hat: Der Dollar hat sich während seiner Amtszeit zwar leicht aufgewertet und im September einen Rekordstand erreicht. Aber das betrifft nur den nominalen Wert. Berücksichtigt man die Inflationsentwicklung in den USA verglichen mit den übrigen Währungsräumen, sieht die Sache ganz anders aus.

Real liegt der Greenback nämlich immer noch deutlich unter den in der Vergangenheit erzielten Höchstwerten. Christopher Collins und Ed Truman vom Peterson Institute for International Economics (PIIE) zeigen das anhand des handelsgewichteten Dollarindex gegenüber 26 Währungen. Im Februar 2002 war die US-Währung 10% stärker, im März 1985 notierte sie sogar 25% höher. Der im Chart ausgewiesene langfristige Durchschnitt entspricht dem Durchschnittswert seit Beginn der von der amerikanischen Notenbank berechneten Zeitreihe im Jahr 1973. Der Dollar liegt heute real 6,5% über diesem Mittelwert.

Die beiden Ökonomen erläutern, dass der reale Wechselkurs die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes am treffendsten beschreibt. Der nominale Index sei dagegen nur für Analysen mit einem kurzfristigen Horizont geeignet. Allerdings ist der im Wahljahr 2020 politisch klar die wichtigere Perspektive.

(Quelle der Grafik: PIIE)