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Der Chart des Tages

Zahlungsausfälle steigen.

Frank Heiniger

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft schwächt sich weiter ab. Im dritten Quartal hat die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahresquartal nur noch um 6% zugelegt, was der niedrigsten Rate seit 1992 entspricht.

Diese Eintrübung schlägt sich auch im lokalen Kapitalmarkt nieder: Gemäss einer Zusammenstellung von Standard & Poor’s sind die diesjährigen Zahlungsausfälle chinesischer Anleihen (dunkelblaue Balken, linke Skala) per Ende Oktober über 100 Mrd. Yuan (14 Mrd. Fr.) geklettert. Mit dem letztwöchigen Default einer Anleihe von Tungshu Optoelectronics, einer an der Börse Shenzhen kotierten Gesellschaft, hat das Niveau laut Bloomberg inzwischen 114 Mrd. Yuan (16 Mrd. Fr.) erreicht – und damit den Rekordwert des vergangenen Jahres überschritten.

Gemessen am Volumen betreffen die Zahlungsausfälle laut Standard & Poor’s besonders stark die Sektoren Energie und Chemie. Gemessen an der Anzahl Defaults sind vor allem Unternehmen aus der Konsum- sowie der Investitionsgüterindustrie betroffen, die in fragmentierten und kompetitiven Märkten tätig sind.

Die diesjährigen Zahlungsausfälle machen rund 0,5% des ausstehenden Anleihenvolumens aus (gelbe Linie, rechte Skala), was auf den ersten Blick wenig bedrohlich erscheinen mag. Die Defaults betreffen allerdings schwergewichtig Gesellschaften aus der Privatwirtschaft: Bei den POE (Privately Owned Enterprises) notiert die Ausfallrate laut Standard & Poor’s bei rund 4%. Die Diskrepanz zu den SOE (State Owned Enterprises) gründet gemäss den Analysten der chinesischen Investmentbank CICC primär darin, dass private Unternehmen grundsätzlich über einen schlechteren Kapitalzugang verfügen. Gemäss der Ratingagentur Fitch dürften sich die Ausfallraten besonders im Segment der kleinen und mittelgrossen Gesellschaften erhöhen, die unter verstärktem Refinanzierungsdruck stünden.

Zwei Faktoren lassen die Ausfallraten zudem niedriger erscheinen, als sie tatsächlich sind. Zum einen werden laut CICC – anders als an den westlichen Anleihenmärkten – vergleichsweise wenige chinesische Bonds mit einer Cross-Default-Klausel ausgestattet. Das heisst: Selbst wenn die Bedienung einer Anleihe nicht mehr möglich ist, erleiden die anderen Verbindlichkeiten des säumigen Unternehmens nicht automatisch einen Default. Zum anderen klären Gesellschaften bei einem Zahlungsverzug das Problem verstärkt bilateral und privat mit den Gläubigern. Dadurch tauchen diese Fälle womöglich nicht in den offiziellen Statistiken auf.

(Quelle der Grafik: Standard & Poor’s)