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Der Chart des Tages

Riskante Saudi Aramco.

Alexander Trentin

Nächste Woche Mittwoch wird der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse gehen. 1,5% des Konzerns werden zu einem Wert von mehr als 25 Mrd. $ platziert. Damit wird er mit etwa 1700 Mrd. $ zum weltweit wertvollsten kotierten Unternehmen.

Doch wer Aktien der Ölgesellschaft kauft, wettet darauf, dass so bald keine globale Kohlendioxidsteuer eingeführt wird. Das legt die obige Grafik der Ökonomen Frederick van der Ploeg und Armon Rezai nahe.

Demnach könnte der Marktwert der gesamten Öl- und Gasindustrie in den nächsten dreissig Jahren stetig abnehmen, wenn global Abgaben auf Kohlendioxid fällig werden. Die Gefahren für die Aktien von Unternehmen im Bereich der fossilen Energieträger sind offensichtlich, falls ein strenges Regime gegen Kohlendioxidemissionen umgesetzt wird.

Die linke Grafik zeigt drei verschiedene Besteuerungsszenarien in Dollar je Tonne Kohlenstoff. Im ersten (First-best tax, grüne Linie) wird eine C02-Steuer ab sofort erhoben und über die Zeit leicht erhöht. Im zweiten wird die Steuer erst in zehn Jahren eingeführt, muss dann aber steiler erhöht werden (grau). Im letzten Modell (gelb) fällt die Steuer erst im Jahr 2050 an, dafür umso höher und mit gleichzeitiger Subventionierung der erneuerbaren Energien.

Die rechte Grafik zeigt den Effekt der Besteuerung auf die Marktbewertung – im Vergleich zur Fortführung des Status quo («Business-as-usual»)

Erstens kommt es zu sogenannten Stranded Assets. Das heisst, im Boden liegende Vorkommen können nicht mehr gefördert werden, und ihr Wert sinkt auf null. Zweitens werden auch die Ausrüstung und Anlagen zur Förderung und Verwertung der fossilen Energieträger wertlos. Drittens würden Änderungen bei der Klimapolitik die Bewertungen massiv und plötzlich verändern. Falls aber die Klimapolitik weniger streng als erwartet ausfällt, könnten sich die Bewertungen auch schnell erholen.

Nach Berechnung der Carbon-Tracker-Initiative ist ein Drittel aller bis 2025 geplanten Öl- und Gasförderprojekte ökonomisch nicht sinnvoll – wenn das Klimaziel einer maximalen Temperaturerhöhung von 2 Grad umgesetzt werden soll.

Schon jetzt reagiert der Aktienmarkt auf das Risiko einer verschärften Klimapolitik. Wenn eine nordamerikanische Ölfirma in den vergangenen zwei Jahrzehnten neue Reserven entdeckte, sank tendenziell der Marktwert. Das ergibt eine Studie der Ökonomen Christina Atanasova und Eduardo Schwarz.

Sie kommen zum Schluss: «Der Markt bestraft wegen des klimapolitischen Risikos zukünftige Investitionen in unentwickelte Reserven.» Unentwickelte Reserven würden grosse Anlageinvestitionen und eine lange Zeit benötigen, bis sie gefördert werden können.

(Quelle der Grafik: Frederick van der Ploeg, Armon Rezai (2019))