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Der Chart des Tages

Die kurze und heftige Erholung der Industrie ist vorbei.

André Kühnlenz

Viele Beobachter schauen derzeit vor allem auf die Industrie in den grösseren Volkswirtschaften der Welt, um Hinweise auf eine sich verstärkende Stabilisierung der Konjunktur zu finden. Schliesslich setzte im vergangenen August so etwas wie eine vorübergehende Wende ein: Die Zinsen begannen nach einem rapiden Verfall zu steigen (oft waren sie allerdings nur etwas weniger weit im Minus), und die Aktienkurse kletterten auch – zuletzt verstärkt von etwas Hoffnung im Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Wie sich herausstellt, begann im Sommer 2019 tatsächlich eine kurze, aber heftige Erholung in der globalen Nachfrage und Produktion von Investitionsgütern, wie die weltweiten Umfragen unter Einkaufsmanagern zeigen, die das Markit-Institut zusammenstellt (pdf): Weltweit wurden die Produktionskapazitäten aufgestockt oder alte Geräte verstärkt durch neuere ersetzt. Doch wie sich mittlerweile herausstellt, dauerte diese Hochphase in der Industrie nicht so lange. Seit ein, zwei Monaten schrumpft sie wieder (Wert von weniger als 50 Punkten im Chart).

Noch wird die gesamte Industrieproduktion von den Konsumgüterherstellern getragen, die aber im Zyklus ohnehin oft hinterherhinken. Das hat auch damit zu tun, dass die Dienstleister weiterhin Jobs aufbauen und damit die Weltwirtschaft stützen. Vorerst bleibt die globale Konjunktur also noch sehr fragil angesichts der Schwäche in der Investitionsgüterproduktion. Keine gute Nachricht für die Exportländer wie Deutschland.

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