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Der Chart des Tages

Der kranke Mann Europas.

Alexander Trentin

Deutschland wird ob seiner Wirtschaft oft beneidet – aber in der deutschen Industrie sieht es düster aus. Dabei gilt das Land für viele als Vorbild, etwa wegen seiner niedrigen Arbeitslosigkeit, des hohen Überschusses im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz sowie der Spitzenstellung in der Hochtechnologie. Gemäss dem neuesten Bloomberg Innovation Index ist es gar das innovativste Land der Welt.

Doch die deutsche Industrieproduktion sinkt seit Anfang 2018 stetig, wie die schwarze Linie in der obigen Grafik zeigt. Die Produktion lag im November 2019 etwa 7% unter dem Stand von Januar 2018. Dagegen konnte die Produktion in der Eurozone sich deutlich besser halten. Der heute erschienene Datenpunkt von Dezember 2019 ist eine weitere Hiobsbotschaft für die deutsche Industrie. Um 3,5% ist der Output im Monatsvergleich zurückgegangen (–6,8% im Jahresvergleich) – erwartet wurde von Analysten nur ein marginaler Schwund um 0,2%.

Die Abhängigkeit vom Export könnte angesichts der Folgen des Coronavirus zu noch grösseren Problemen führen. Von allen Volkswirtschaften der Eurozone ist die deutsche am stärksten vom Absatzmarkt China anhängig.

Und auch ohne den noch nicht abschätzbaren Effekt des Virus sehen die neuesten Daten für die Industrie nicht gut aus. Im Dezember ist der Auftragseingang – ein vorausschauender Indikator für die künftige Produktion – überraschend deutlich zurückgegangen. Die Unternehmen werden sich voraussichtlich mit Investitionen zurückhalten, wenn die Nachfrage ausbleibt. Das bedeutet weiteres Unheil für die Konjunktur in Deutschland und der gesamten Eurozone.

(Quelle der Grafiken: HSBC (HSBA 456.6 -1.02%))