Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

S&P 500 doch fair bewertet?

Sylvia Walter

Wie lange kann das noch gutgehen? Weder der Handelskrieg, die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten noch das Coronavirus vermochten der Aktienrally nachhaltig Abbruch zu tun. Viele Analysten warnen, der Markt sei überkauft und die Bewertung – insbesondere des S&P 500 (SP500 2584.59 -1.6%) – schlicht viel zu hoch. Hinzu kommt, dass sich viele Anleger, die von Risikopapieren bisher die Finger liessen, angesichts der satten Kursgewinne dazu entscheiden, doch noch in den Aktienmarkt zu strömen.

Die Analysten von Nordea (NDA SE 37.9 3.91%) haben dies zum Anlass genommen, ein hauseigenes Modell zu entwerfen, das zeigen soll, wie weit sich der S&P 500 von der fairen Bewertung entfernt hat. Im ersten Schritt berechnen sie dazu die sogenannte Forward P/E – das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500, das nicht den realen, aktuell erwirtschafteten Gewinn der Unternehmen zur Grundlage hat, sondern den geschätzten Gewinn, der über die kommenden zwölf Monate erzielt werden soll (vgl. Grafik, dunkelblaue Linie). Sie befindet sich auf einem Niveau von etwas über 18.

Im nächsten Schritt erstellen sie einen Index, basierend auf den Renditen zehnjähriger Unternehmensanleihen und dem Potenzialwachstum des Bruttoinlandprodukts der USA (hellblaue Linie). Dieser Index weist in der Vergangenheit eine hohe Korrelation mit der Forward P/E des S&P 500 auf. Und siehe da: Schon erscheint die Bewertung fair.

Doch Achtung: In dieser Berechnung sind viele schwammige Grössen enthalten. Die Analysten von Nordea warnen, dass das «E», also die erwarteten Gewinne der Unternehmen, zu hoch angesetzt ist. Darüber hinaus sind die Renditen der Unternehmensanleihen stark abhängig von der lockeren Geldpolitik der Notenbanken. Diese scheint ausgereizt. Schliesslich ist auch das Konzept des Potenzialwachstums unter Ökonomen arg umstritten.

(Quelle des Charts: Nordea)

Leser-Kommentare