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Der Chart des Tages

Das Fed ist unter Zugzwang.

Martin Lüscher, New York

Das Coronavirus setzt an den Finanzmärkten nicht nur Aktien unter Druck. Auch die amerikanische Zentralbank spürt die Folgen. Geht es nach den Marktteilnehmern, wird sie an der Zinsschraube drehen.

Gemäss den Terminkontrakten der Börse CME beträgt die Wahrscheinlichkeit von zwei Leitzinssenkungen von jeweils 25 Basispunkten bis Ende Jahr 79%. Anfang Jahr waren es erst 14%. Eine erste Lockerung erwarten die Investoren für April.

Anders sehen das die Währungshüter. Nach der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses Ende Januar bezeichnete Fed-Chef Jerome Powell den Leitzins als «angemessen» und stellte für das Gesamtjahr keine Anpassung in Aussicht. Daran hat sich auch im Februar wenig geändert.

Vizechef Richard Clarida erklärte am Dienstag, dass es noch zu früh sei, um über die Konsequenzen des Coronavirus für die Wirtschaft zu diskutieren und darüber, ob sie eine Lockerung der Geldpolitik zur Folge haben würden. Die US-Wirtschaft befinde sich weiter in «guter Verfassung».

Laut Loretta Mester, Chefin der Distriktnotenbank von Cleveland, ist das Coronavirus ein Risiko, das sie genau verfolgt. Sie sei aber noch zufrieden mit der aktuellen Geldpolitik.

Diese Einstellung – sowie die Geldpolitik – dürfte sich ändern, sofern die Marktteilnehmer an ihren Erwartungen festhalten. Denn bisher haben Powell & Co. bei der Zinssetzung die Erwartungen der Marktteilnehmer noch nie enttäuscht.

(Quelle der Grafik: CME)

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