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Der Chart des Tages

BBB-Frankenobligationen machen kräftigen Zinssprung.

André Kühnlenz

Nicht erst mit dem Einbruch des Ölpreises sind die Märkte für Anleihen schlechterer Bonität unter Druck geraten. Seit die Coronapanik die riskanten Anlagen erreicht hat, steigen die Renditeaufschläge dieser Obligationen gegenüber Staatsanleihen, während die Kurse einbrechen.

Mit dem Absturz des Ölpreises zu Beginn dieser Woche stehen vor allem spekulative Hochzinsanleihen in den USA im Fokus. Denn ein beträchtlicher Teil des ausstehenden Volumens entfällt auf Energiegesellschaften aus dem Schieferöl- und -gasgeschäft, die jetzt ihre Förderkosten nicht mehr decken können.

Doch aufmerksam beobachten Anleger auch das aufgeblähte Segment von Anleihen mit BBB-Rating, das gerade noch als Anlagequalität (Investment Grade) gilt. Denn in diesem Bereich könnte es zu einer massenhaften Herabstufung in die Ramschbonität kommen, wie Ratingagenturen schon vor Monaten gewarnt haben.

Der Verlust des Gütesiegels Investment Grade würde die schwächeren Anleihenemittenten zusätzlich in Schwierigkeiten bei der Refinanzierung bringen und könnte am Ende zu steigenden Ausfällen führen, so die Furcht.

Die Gefahr einer massenweisen Herabstufung besteht bei Frankenanleihen mit BBB-Kreditwürdigkeit dagegen nicht, wenn man den Ratingprognosen der Schweizer Banken folgt. Und doch fiel dieses Segment auch am Frankenmarkt am Montag mit Kursverlusten auf, die sich in höheren Renditen spiegeln.

Bei heimischen BBB-Obligationen stieg die Verzinsung an einem Tag um 44 Basispunkte (0,44 Prozentpunkte), bei Frankenbonds von ausländischen Emittenten sogar um 80. Im Schnitt nahmen die Renditen am BBB-Markt 60 Basispunkte zu (vgl. Chart). Die durchschnittliche Verzinsung von Bundesobligationen der Eidgenossenschaft sank dagegen um 9 Basispunkte auf –0,73%, wodurch sich der Renditeaufschlag von BBB-Anleihen auf 163 Basispunkte ausweitete.

Mit einer positiven Rendite von 0,9% liegen die BBB-Frankenanleihen allerdings noch deutlich unter dem Niveau während der Finanzkrise 2008/09. Im Oktober 2008 betrug die Rendite 7,51%. Auch gab es damals deutlich stärkere tägliche Zinsausschläge. Doch die Geschwindigkeit des aktuellen Zinsanstiegs sollte aufmerksam beobachtet werden. Sie signalisiert wachsenden Stress im Finanzsystem.

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