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Der Chart des Tages

Die Zinsdifferenz schmilzt weg.

Sylvia Walter

Tiefe Zinsen sind abschreckend für Investoren und Sparer. Je niedriger das Zinsniveau in einem Land, desto unattraktiver wird die jeweilige Landeswährung. Dies waren auch die Überlegungen der Schweizerischen Nationalbank, als sie vor über fünf Jahren nach Aufgabe des Mindestkursziels den Leitzins in den negativen Bereich senkte. Der Franken sollte möglichst unattraktiv für ausländische Anleger sein.

Kernmandat der SNB (SNBN 4980 1.43%) sei es, die Preisstabilität zu gewährleisten, und zu diesem Zweck sei die weitere Frankenaufwertung zu verhindern, hiess es damals. Somit stand die Ausweitung der Zinsdifferenz zum Euro im Fokus der Währungshüter.

Wie in der Grafik ersichtlich weitete sich die Spanne auch beim Zins auf zehnjährige Staatsanleihen deutlich aus. Die deutsche Obligation rentierte mehrheitlich positiv, bis auch beim nördlichen Nachbar der Zins im Frühling 2019 nachhaltig unter die Nullgrenze fiel.

In der derzeitigen Krise an den Finanzmärkten und der resultierenden Flucht in sichere Häfen korrigierte der Zins auf deutsche Staatsanleihen noch mehr nach unten als derjenige der eidgenössischen Schuldpapiere. Die Lücke ist nahezu geschlossen. Der angestrebte «Zinsnachteil» ist verschwunden.

Mit Spannung werden somit die nächsten geldpolitischen Entscheide der Notenbanken erwartet, vorab der EZB, die am Donnerstag verkünden wird, wohin die Reise geht. Die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, liess verlauten, dass die derzeitigen Entwicklungen auf der ökonomischen Seite an die grosse Finanzkrise erinnerten. Dies befeuert Erwartungen der Marktteilnehmer an die bevorstehenden Ankündigungen.

Die SNB steht ganz besonders unter Druck. Vermutlich ist sie in der laufenden Woche bereits daran, Devisenmarktinterventionen zu verstärken. Die Analysten von Lombard Odier Investment Managers erwarten für den Zinsentscheid der SNB am 19. März sogar eine Senkung des Leitzinses um 25 Basispunkte (0,25%), damit die Zinsdifferenz wiederhergestellt ist.