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Der Chart des Tages

Wie tief wird die Rezession?

Sylvia Walter

In Zeiten der Unsicherheit empfiehlt es sich, in Szenarien zu denken, statt Punktprognosen abzugeben. Dies hat sich auch die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (Kof) gedacht und überarbeitete Szenarien zum weiteren Wirtschaftsverlauf in Zeiten der Pandemie vorgestellt.

Die drei Szenarien unterscheiden sich in ihren Annahmen, wie lange und wie tiefgreifend sich die Coronapandemie auf die Konjunktur auswirkt. Sowohl angebotsseitige als auch nachfrageseitige Effekte werden berücksichtigt. Angebotsseitige Effekte ergeben sich vor allem aus Produktionsausfällen, zu denen es aufgrund der staatlich verordneten Schutzmassnahmen kommt. Nachfrageseitige Auswirkungen entstehen, wenn Personen aus Vorsichtsgründen auf den Konsum von Waren und Dienstleistungen verzichten.

Nur im milden Szenario schlittert die Schweiz knapp an einer Rezession vorbei. Bereits im Basisszenario der Kof fällt das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) in der ersten Jahreshälfte in den negativen Bereich. Das Basisszenario stellt die derzeit wahrscheinlichste Entwicklung der Konjunktur dar. Dabei wird das wirtschaftliche Leben in den kommenden zwölf Monaten deutlich beeinträchtigt. Ab Sommer 2020 werden die Auswirkungen der Pandemie abgemildert. Für 2020 resultiert im Vorjahresvergleich ein BIP-Wachstum von schmalen 0,3%.

Im negativen Szenario sind die kurz- und die mittelfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die Schweizer Wirtschaft bedeutend ausgeprägter. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr ist sehr scharf – das BIP nimmt in nur zwei Quartalen im Vergleich zum vierten Quartal 2019 um 3,1% ab. Insgesamt sinkt das BIP im Negativszenario in diesem Jahr trotz eines umfassenden staatlichen Massnahmenpakets um 2,3% im Vergleich zum Vorjahr. Einen ähnlich starken BIP-Rückgang gab es zuletzt 2009 im Zuge der Finanzkrise.

Eintrittswahrscheinlichkeiten für die drei Szenarien hat die Kof allerdings nicht veröffentlicht.

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