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Der Chart des Tages

Die Leitzinsen sind tief wie nie.

Alexander Trentin

Die Notenbanken reagieren schnell. So hat die US-Zentralbank Fed wegen der Coronakrise zwei Mal hintereinander den Leitzins gesenkt – auf nur noch 0 bis 0,25%. Und sie steht damit beileibe nicht allein da. Der gewichtete Durchschnitt der Zinsen in den Industrieländern (linke Grafik oben) und den Schwellenländern (rechte Grafik) ist tief wie nie – selbst zu Zeiten der Finanzkrise waren die Notenbankzinsen höher.

In den Industrieländern liegt der Zins im Durchschnitt auf 0%, in den Schwellenländern unter 4%. Dazu kommen riesige Anleihenkaufprogramme von Fed und EZB, die innerhalb kürzester Zeit angekündigt wurden. Doch wer jetzt vor der «überexpansiven Geldpolitik» der Zentralbanken warnt, der sei an eine auf den ersten Blick paradoxe Aussage von Milton Friedman erinnert: «Niedrige Zinsen sind im Allgemeinen ein Zeichen, dass das Geld zu knapp gewesen ist.»

Das bedeutet: Die Notenbanken reagieren mit einem niedrigen Leitzins auf weniger Wachstum und Inflation. Oder um es mit den Worten des Ökonomen Scott Sumner zu sagen: «Nur wenn die Notenbanken den Leitzins über oder unter den Gleichgewichtszins verschieben, gibt es eine tatsächliche Änderung in der Geldpolitik.»

Die lockere Geldpolitik ist damit auch in der Coronakrise eine Reaktion auf das Verhalten der Wirtschaftsakteure. Diese halten sich mit Konsum, Investitionen und Kreditvergabe zurück. Das Zinsniveau, das die Wirtschaft ich Gleichgewicht hält, ist rapide abgesackt. Die Notenbanken beobachten diese Entwicklung diesmal schneller als im Vorlauf der Finanzkrise ab 2007 – auch weil die schockartige Wirkung offensichtlicher zutage tritt. Man kann nur hoffen, dass die Notenbankaktionen diesmal ausreichen, um ein Abgleiten in eine Deflationsspirale zu verhindern.

(Quelle der Grafik: UBS)

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