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Der Chart des Tages

Riskanter Optimismus.

Frank Heiniger

Die Aktienmärkte haben sich deutlich von ihren Märztiefst erholt. Ist damit alles wieder in Butter und die Krise verdaut? Das Researchhaus TS Lombard mag nicht so recht in diesen Optimismus einstimmen.

Gemäss den Analysten werden die Auswirkungen der Coronaviruspandemie länger spürbar sein, als es den Anlegern lieb ist. Die deutliche Senkung der Investitionsausgaben, die hohe Arbeitslosigkeit, die schlechte Konsumentenstimmung und verschärfte Kreditanforderungen dürften die konjunkturelle Entwicklung noch lange belasten. Die Hoffnung auf eine V-förmige Wirtschaftserholung sei kaum berechtigt.

Deshalb dürfte es auch eine ganze Weile dauern, bis die Unternehmen zu ihrer Profitabilität des Jahres 2019 zurückfinden. Diese Verzögerung werde laut TS Lombard in den Gewinnerwartungen der Analysten noch nicht abgebildet: Während die Prognosen für die kommenden Monate schon nur sehr zögerlich angepasst würden, sei der negative Coronaviruseffekt auf das Jahr 2021 noch überhaupt nicht in die Aussichten eingesickert.

Das zeigt sich am Bewertungsniveau: Die Differenz in den vorwärtsgerichteten Kurs-Gewinn-Verhältnissen – eines basiert auf dem erwarteten Gewinn der nächsten zwölf Monate (mittelblaue Linie), das andere auf den nächsten vierundzwanzig Monaten (hellblaue Linie) – bewegt sich im US-Leitindex S&P 500 normalerweise bei rund 1,7 (schwarze Linie). Wie der obige Chart illustriert, ist der Unterschied auf 2,4 gestiegen. Dies lässt vermuten, dass die Gewinnprognosen für 2021 weiterhin deutlich zu hoch liegen.

(Quelle der Grafik: TS Lombard)

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