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Der Chart des Tages

Am Markt für Treasuries passiert Aussergewöhnliches.

Martin Lüscher, New York

Es sind spezielle Zeiten, auch an den Finanzmärkten. Das verdeutlicht ein Blick auf die Bilanz der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve. Seit dem 12. März kauft sie amerikanische Staatsanleihen und hypothekengesicherte Wertpapiere ohne Einschränkung (Quantitative Easing 4).

Seither hat das Fed Treasuries im Wert von über 1 Bio. $ erworben. Das stellt die während der Finanzkrise 2008/2009 lancierten Anleihenkaufprogramme (Quantitative Easing 1 bis 3) an Geschwindigkeit und Volumen in den Schatten.

«Aussergewöhnlich» ist laut James Bianco, Gründer des Analyseanbieters Bianco Research, am Markt für Treasuries derzeit aber etwas anderes, wie er in einem Kommentar schreibt. Denn obwohl das Fed in zuvor unvorstellbarem Ausmass US-Staatsanleihen kauft, reagieren die Renditen kaum.

«Würden die Märkte annähernd normal funktionieren, hätten die Renditen auf 0% fallen müssen.» Das war aber nicht der Fall. Laut Bianco liegt das daran, dass «alle anderen in grossem Stil verkaufen». Auf Anleihenfonds, die seit Ende Februar Treasuries in der Höhe von 377 Mio. $ veräussert haben, und ausländische Zentralbanken, die US-Staatsanleihen im Wert von 124 Mrd. $ liquidiert haben, trifft dies ohne Zweifel zu.

Bianco nennt zwei Gründe für den Verkaufsdruck: das steigende Defizit der US-Regierung sowie höhere Inflationserwartungen. «Offenbar denken Investoren, dass der dreissigjährige Bullenmarkt für Staatsanleihen vorbei ist, und verkaufen ihre Titel nun dem Fed.»

(Quelle der Grafik: Bank of America)

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