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Der Chart des Tages

Rückkehr der Teuerung.

Frank Heiniger

Inflation oder Deflation? Welchen Pfad die Teuerung in den kommenden Quartalen und Jahren nimmt, wird unter Ökonomen und Analysten angeregt debattiert. Denn für beide Entwicklungen lassen sich Argumente ins Feld führen. So dürfte auf der einen Seite die massive geld- und fiskalpolitische Stimulierung auf lange Sicht inflationär wirken. Sollte auf der anderen Seite jedoch der durch die Coronaviruspandemie ausgelöste Nachfrageschock andauern, würde das die Teuerungsraten noch längere Zeit im Zaum halten.

Die Analysten von Morgan Stanley gehen in einer aktuellen Studie davon aus, dass die Inflation in den Industrieländern bald ein Comeback erleben wird – und dies vor allem in den USA. Wie der obige Chart illustriert – er bildet den BIP-Deflator ab, der die Teuerung nicht an einem definierten Warenkorb, sondern am ganzen Bruttoinlandprodukt misst –, dürfte damit ein rund dreissig Jahre laufender disinflationärer Zyklus sein Ende finden.

Morgan Stanley schreibt von den drei T, das sind die drei strukturellen Entwicklungen, die die Teuerungsraten in den Neunziger- und den Nullerjahren gedrückt haben: die Globalisierung und die Intensivierung des weltweiten Handels (Trade), die disruptive Wirkung neuer Technologien (Tech) sowie die Konzentration der Marktmacht bei immer weniger Grosskonzernen (Titans), wodurch die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer eingegrenzt wurde.

Diese drei Treiber dürften nun eine Trendumkehr erfahren und zusammen mit der expansiven Fiskal- und Geldpolitik zu einem Anstieg der Inflation führen – so etwa, weil durch den Ausbruch von Covid-19 die Spannungen im Handelsgefüge wieder zugenommen haben und es womöglich zu einem Rückbau der globalen Produktionsketten kommt. Gleichzeitig wird die wachsende Marktmacht einzelner Grosskonzerne immer kritischer beurteilt.

(Quelle der Grafik: Morgan Stanley)