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Der Chart des Tages

Vierfacher Hexensabbat.

Peter Rohner

Heute ist der dritte Freitag im letzten Monat des Quartals. Was kümmert das Anleger?

Es ist ein grosser Hexensabbat. So nennen Börsianer die vier Tage im Jahr, an denen besonders viele Optionen und Terminkontrakte verfallen. Und so einer ist heute.

Genau genommen handelt es sich um einen vierfachen Hexensabbat, weil vier Typen von Instrumenten an den grossen Terminbörsen gleichzeitig fällig werden: Aktienindexoptionen, Aktienindex-Futures, Aktienoptionen und Futures auf Einzelaktien.

Am Verfallstag werden auf dem Terminmarkt für die Optionen und die Futures die Abrechnungspreise ermittelt, und sie werden glattgestellt. In der Regel kommt es an einem grossen Verfallstag wie heute zu erhöhten Handelsvolumen und Preisschwankungen, wenn zum Beispiel Spekulanten versuchen, die Kurse auf die Preise zu treiben, zu denen sie an der Terminbörse engagiert sind.

Privatanleger aber können diese technisch bedingten Marktzuckungen am Hexensabbat getrost ignorieren. Ausschlaggebend für die grossen Schwankungen an den Aktienmärkten sind andere Faktoren. Das zeigt die heutige Grafik, die den Verlauf des Vix-Index der Terminbörse Chicago seit 2015 darstellt. Der Index bildet die in den Terminpreisen implizite Volatilität im S&P 500 (SP500 3130.01 0.45%) über dreissig Tage ab und drückt damit aus, welche Schwankungsbreite die Marktteilnehmer an der US-Börse erwarten.

Das sogenannte Angstbarometer schnellt nicht wegen technischer Verfallsdetails in die Höhe, sondern wenn die reale Welt einen Schock erlebt. Zuletzt etwa wegen der raschen Ausbreitung des Coronavirus oder davor wegen zunehmender Rezessionsrisiken.

Auch die Wahl von US-Präsident Donald Trump sorgte für einen kurzen Volatilitässchub, ebenfalls das britische Ja zum EU-Austritt. Nur im Februar 2018 hatte der Ausschlag nichts mit der Realwirtschaft oder der Weltpolitik zu tun, zumindest nicht offensichtlich. Vorausgegangen war den Kapriolen im Februar eine Phase mit ausserordentlich niedriger Volatilität, die dann ins Gegenteil kippte.

(Quelle der Grafik: Bloomberg, FuW)

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