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Der Chart des Tages

Das Wallstreet-Paradox.

Christoph Gisiger, New York

Quelle: Guggenheim Partners

Wenn sich die Konjunktur erfreulich entwickelt und die Makrodaten angenehm überraschen, müsste das den Aktienkursen eigentlich Auftrieb geben. Schliesslich stimuliert eine florierende Wirtschaft den Geschäftsgang der Unternehmen, was sich vorteilhaft in der Gewinnentwicklung niederschlägt und damit für Engagements an der Börse spricht.

Mit dieser Logik lässt sich derzeit jedoch kaum Geld verdienen. Im Gegenteil: Schlechte Wirtschaftsnachrichten werden an Wallstreet als positiv für den Aktienmarkt gewertet, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Notenbanken die geldpolitischen Zügel umso lockerer lassen. Das billige Geld strömt an die Börse und bringt dort die Aktienkurse zum Steigen, denken sich Investoren.

Der oben abgebildete Chart des Anlagehauses Guggenheim Partners macht diesen widersprüchlichen Sachverhalt deutlich. Er zeigt die Korrelation zwischen den Kursgewinnen des US-Leitindex S&P 500 (SP500 3006.73 0.03%) innerhalb von 52 Wochen und der Veränderung des Citigroup (C 70.09 0.88%) Economic Surprise Index auf. Dieser misst die Abweichung der Konjunkturdaten von den Schätzungen der Ökonomen. Eine negative Korrelation deutet darauf hin, dass schwache Wirtschaftszahlen die Aktienkurse stimulieren, wogegen positive Daten die Börse belasten.

Ein genauerer Blick auf den Chart zeigt, dass dieses Paradox nicht nur für das gegenwärtige Börsenumfeld gilt, in dem Wallstreet auf eine möglichst lange Restlaufzeit des Stimulusprogramms QE3 hofft. Es liess sich bereits 2005 beobachten, als das Federal Reserve die Leitzinsen zum Verhindern einer Konjunkturüberhitzung binnen Jahresfrist um 200 Basispunkte anhob, hält Guggenheim-Anlagechef Scott Minerd dazu fest.

Den Chart des Vortages finden sie hier.

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