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Der Chart des Tages

Die Rache der Zinsen.

Alexander Trentin

Die Diskussion über die steigenden Marktzinsen wird uns weiter beschäftigen – ihr Effekt auf die Vermögenspreise darf nicht unterschätzt werden. Der aktuelle Aufreger: Die oft zitierte zehnjährige US-Rendite hat erstmals seit Beginn der Coronapandemie kurzzeitig die Marke von 1,6% übersprungen. Im «Chart des Tages» von Mittwoch wurde darauf hingewiesen, wie die verschiedenen Anlageklassen von höheren amerikanischen Realrenditen beeinflusst werden: Gold sollte man meiden, dagegen profitieren etwa Hochzinsanleihen und Finanzaktien.

Historisch betrachtet reagiert der schweizerische Aktienmarkt negativ auf steigende US-Renditen, während in anderen Ländern wie Deutschland und Japan die Aktien von solchen Entwicklungen profitieren. Grund ist die defensive Sektorzusammensetzung der hiesigen Börse: Immobilien-, Telecom- und Nahrungsmittelvaloren werden tendenziell unattraktiver, wenn die Zinsen anziehen.

Die obige Grafik zeigt, welche schweizerischen Large Caps zu den deutlichsten Gewinnern und Verlierern bei höheren Renditen zählen. Anleger in Banken wie Credit Suisse, Julius Bär und UBS sowie Industrieunternehmen wie ABB können sich freuen. Dagegen kommen Immobilientitel wie Swiss Prime Site und nichtzyklische Werte wie Nestlé, Givaudan und Swisscom unter Druck.

Man kann es als Rache der Zinsen bezeichnen – Aktien, die nur dank sinkender Renditen nach oben geschnellt waren, sind jetzt absturzgefährdet. Nun könnte sich also erweisen, wie stark die Kurse durch stetig sinkende Renditen über die vergangenen Jahre angeschoben wurden bzw. wie viel an Börsenerfolg durch operative Leistung der Unternehmen zustande kam.

(Quelle der Grafik: JPMorgan) Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?