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Der Chart des Tages

Geldmenge und Inflation haben nichts miteinander zu tun.

Alexander Trentin

Die Angst vor Inflation geht um. Die bange Frage vieler Anleger und Konsumenten: Gibt es bald zu viel Geld im Verhältnis zum Angebot an Waren und Dienstleistungen? So pumpen Regierungen weltweit mit riesigen Stimuluspaketen frisches Geld in die Wirtschaft. Damit soll der Wachstumseinbruch wegen der Massnahmen gegen die Coronapandemie abgefedert werden. Gleichzeitig sorgen die Notenbanken für eine übermässige Versorgung an Liquidität am Finanzmarkt und im Bankensystem.

Die Geldmenge in den Industrieländern, gemessen an der monetären Grösse M2, ist gegenüber dem Vorjahr 18% gestiegen – wohl der höchste Wert der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor der Coronapandemie betrug das Geldmengenwachstum 5%.

Doch die Geldmenge ist nur eine Grösse. Denn gemäss der Quantitätstheorie des Geldes von Irving Fisher sorgt das zunehmende Volumen an Geld nur für Inflation, wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nicht gleichzeitig einbricht. Doch genau dieser Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit ist der Fall, beobachten Analysten der UBS: Die Banken vergeben nicht mehr Kredite, die Leute geben nicht mehr aus. Die Liquiditätswelle kommt also nicht in der Wirtschaft an.

Auch historisch gibt es keine Anzeichen, dass die Notenbanken in den vergangenen sechzig Jahren mit mehr Liquidität die Inflation anfachen konnten. Die obige Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen der Beschleunigung des M2-Geldmengenwachstums (X-Achse) und dem folgenden Anstieg der Inflation (Y-Achse). Der Determinationskoeffizient R2 – ein Mass für die Erklärungskraft von Variablen für die Bewegungen einer anderen – beträgt null: Die Geldmenge kann keine Veränderungen der Inflation erklären.

Für Anleger heisst das, dass man sich zwar um Inflation Gedanken machen kann, aber die Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken dabei kein Faktor sein sollte.

(Quelle der Grafik: UBS) Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?