Märkte / Makro

Der Chart des Tages

Wenn Konjunkturumfragen sich täuschen.

Offizielle Statistiken zum Konjunkturverlauf hinken der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung hinterher. Für den Finanzmarkt ist es aber wichtig, immer möglichst aktuell einzuschätzen, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Daher beobachten Marktakteure umfragebasierte Frühindikatoren für die Konjunktur genau – diese können ohne lange Verzögerung die Stimmung unter den Unternehmen abbilden.

Doch sie sind nicht unfehlbar – das zeigt die obige Grafik. Sie bildet ab, wie drei wichtige umfragebasierte Frühindikatoren für Deutschland und das tatsächliche Wachstum der Industrieproduktion auseinanderlaufen. Das betrifft aber nicht nur Deutschland: «Der europäische Industrieoutput war seit Mitte 2020 viel schwächer, als die Umfrageindikatoren suggeriert haben», schreibt Ökonom Simon MacAdam vom Researchhaus Capital Economics.

Teilweise kann dies damit erklärt werden, dass die Umfragen durch zu viel Optimismus über den Impffortschritt und die Lockerung der Massnahmen zur Pandemiebekämpfung verfälscht waren. Ausserdem können qualitative Umfragen keine Sondereffekte abbilden: In Deutschland stammten im Februar 70% des Outputrückgangs von einem Einbruch in der Automobilproduktion.

Obwohl die tatsächlichen Wirtschaftszahlen enttäuschend seien, «ist es immer noch ermutigend, dass die Umfragewerte in letzter Zeit so stark ausfallen», meint MacAdam. Sie würden immerhin eine ungefähre Richtung für die Wirtschaftsaktivität abgeben. Wenn die Sorgen um das Virus und die damit zusammenhängenden Restriktionen weniger wichtig werden, sollten auch die Umfragewerte wieder ein präziseres Bild der Konjunktur vermitteln.

(Quelle der Grafik: Capital Economics) Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

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