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Der Chart des Tages

Hat Europa die falschen Aktien?

Alexander Trentin

Über die vergangenen Jahre konnte man mit amerikanischen Aktien mehr Performance einstreichen als mit europäischen. Und das, obwohl die europäischen Titel angesichts fallender Bewertungskennzahlen immer günstiger wurden. Woran lag das?

Ein Grund: die Sektorzusammensetzung. Immerhin war in den USA das spektakuläre Wachstum der grossen Tech-Riesen ein wichtiger Teil der Gesamtperformance. Hat der europäische Aktienmarkt also einfach die falschen Titel? Zu wenig Technologie- und Qualitätsaktien, zu wenig Innovation und zu viel «Old Economy» sind die häufigen Vorwürfe.

Solch eine Kritik hat einiges für sich, meinen die Analysten der UBS. Aber sie weisen auch daraufhin, dass es signifikante Veränderungen in der Zusammensetzung des europäischen Aktienmarkts gibt – und die Covid-19-Pandemie hat diese Trends noch beschleunigt. Ein wichtiger Umbruch zeigt die obige Grafik: Seit vergangenem Jahr hat der Technologiesektor den Anteil der Banken überholt.

Statt den Finanzinstituten sind nun die Sektoren Pharma (12% nach Börsenkapitalisierung) und Kapitalgüter (11%) am stärksten vertreten. Die Banken machen nur noch 7% aus. Vor fünfzehn Jahren machten Energie- und Bankaktien noch ein Drittel des Markts aus. Auch der Energiesektor ist zusammengebrochen, und die zwei Sektoren stellen zusammen gerade einmal etwas mehr als ein Zehntel des Gesamtbörsenwerts Europas.

Und auch andere Sektoren holen auf: Der Luxusgütersektor hat das stärkste Wachstum aller Sektoren hingelegt. Seit der Finanzkrise hat sich der Börsenwert dieser Unternehmen verfünffacht – auf fast 6% und damit fast so viel wie der Bankensektor.

Die Anleger müssen ihre Vorbehalte gegenüber europäischen Aktien demnach überdenken. Denn die Gewichtsveränderungen «lassen vermuten, dass Europa nicht mehr so stark von den wichtigsten Treibern der vergangenen Performance abhängig ist».

Diese immer noch wichtigen, aber weniger dominierenden Treiber sind gemäss UBS die Performance der Value-Aktien, Dividendenrenditen und der Ölpreis. Für die Aktienkurse seien die Faktoren Momentum der Unternehmensgewinne und die Einkaufsmanagerindizes (PMI) als Frühindikatoren der Konjunktur gleich wichtig geworden.

(Quelle der Grafik: UBS) Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

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