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Der Chart des Tages

Herr Li und der Ifo.

Alexander Trentin

Der Einfluss Chinas auf die Weltwirtschaft ist über die vergangenen Jahre stetig gewachsen. Die Analysten von Citi weisen darauf hin, dass das Evergrande-Debakel und eine mögliche chinesische Wachstumsschwäche nicht so sehr über die Finanzmärkte globale Schockwellen auslösen wird. Eher wird sich die Realwirtschaft der Industrieländer an einer China-Grippe anstecken.

Citi kommentiert: «China hat einen übergrossen Einfluss auf offene und rohstoffabhängige Volkswirtschaften.» Dadurch sind Länder wie etwa der Rohstoffexporteur Brasilien oder die Exportmaschine Deutschland besonders betroffen. Dagegen führen die weiterhin bestehenden Kapitalkontrollen der Volksrepublik dazu, dass ausländische Investoren nur begrenzt von Zahlungsausfällen betroffen wären.

Die obige Grafik illustriert diesen Zusammenhang. Er zeigt zwei Indizes übereinandergelegt: der Li-Keqiang-Index für die chinesische Wirtschaftsaktivität in Hellblau und die Erwartungen der deutschen Industrie gemäss dem Ifo-Index. Der chinesische Index ist nach dem chinesischen Premierminister Li Keqiang benannt, der dem Vernehmen nach einen unverfälschten Blick auf die Wirtschaftslage gewinnt, indem er das Bahnfrachtvolumen, den Stromverbrauch und die Kreditvergabe heranzieht.

Mit dreimonatiger Vorlaufzeit erklärt dieser ziemlich gut die Situation in der deutschen Industrie. Der Li-Keqiang-Index ist auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr gefallen. Für die deutschen Fabriken verheisst das schwächeres Wachstum. 

(Quelle der Grafik: Citi) Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

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