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Der Chart des Tages

Eine intelligentere Lösung für den Mindestlohn.

Alexander Trentin

Die Regierung in Deutschland hat sich auf eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 € je Stunde geeinigt. Gemäss Gesetzesentwurf soll die Erhöhung im Oktober kommen. Aktuell liegt die Untergrenze für den Stundenlohn bei 9.82 €. Auch anderswo könnte der Staat Lohnerhöhungen durchsetzen: In den USA gibt es einen Vorschlag, den Mindestlohn auf Bundesebene von derzeit 7.25 auf 15 $ je Stunde im Jahr 2025 zu erhöhen.

Eine Lohnerhöhung für niedrig bezahlte Arbeitskräfte hätte einen positiven sozialen Effekt. Doch gegen eine Erhöhung spricht, dass eine Untergrenze für die Löhne die Nachfrage nach Arbeitskräften reduziert. Wenig produktive Stellen würden sich nicht mehr rentieren. Mehr Unternehmen würden darauf verzichten, neue Stellen zu schaffen, oder gar Arbeitsplätze abbauen. Eine höhere Arbeitslosigkeit hätte andere negative Folgen: Je länger Menschen nicht beschäftigt sind, umso schwerer haben sie es, in den Arbeitsmarkt zurückzufinden.

Eine Simulation für den deutschen Arbeitsmarkt von Ökonomen der London School of Economics zeigt die Effekte einer Veränderung des Mindestlohns auf die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt (Welfare), die Beschäftigung (Employment) und die Gleichheit (Equity). Bereits ab einem bundesweiten Mindestlohn in der Höhe von 38% des Durchschnittseinkommens, was 7.60 € je Stunde entspricht, beginnt die Zahl der Beschäftigung zu sinken (vgl. rote gestrichelte Linie im linken Diagramm der Grafik).

Die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt nimmt in diesem Modell aber trotz Beschäftigungsrückgang zu, wie die schwarze gestrichelte Linie illustriert. Die maximale gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt wird erreicht, wenn der Mindestlohn auf 58% des mittleren Lohns erhöht wird. Dieses Niveau entspricht genau den nun beschlossenen 12 € je Stunde. Dies hat aber einen deutlichen Verlust an Arbeitskräften zur Folge.

Wie die untenstehenden Ergebnisse auf Gemeindeebene zeigen, wird ein höherer Mindestlohn besonders in Ostdeutschland Arbeitsplätze kosten.

Einen grösseren Wohlfahrtseffekt bei einem geringeren Verlust von Arbeitsplätzen hätte eine Regionalisierung des Mindestlohns (vgl. rechtes Diagramm der obigen Grafik). Dafür haben die Ökonomen die Effekte auf Ebene der Gemeinden analysiert. Würde man für jeden der 4421 «Mikro-Arbeitsmärkte» den Mindestlohn individuell setzen, könnte man ihn beispielsweise auf nur 50% des regionalen Durchschnittseinkommens festlegen und damit den gleichen Wohlfahrtseffekt erzielen wie mit einem bundesweiten Mindestlohn von 12 €. Gleichzeitig würde die Zahl der Arbeitsplätze landesweit steigen.

(Quelle der Grafiken: Gabriel Ahlfeldt et al., 2022)