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Der Chart des Tages

Kein Ende des Dollar-Imperiums.

Alexander Trentin

Die Sanktionen gegen russische Banken waren ein harter Schlag gegen die gesamte Volkswirtschaft Russlands. So wurden viele Finanzinstitute vom internationalen Finanzkommunikationssystem Swift abgetrennt. Auch die Kreditkarten von Visa und Mastercard funktionieren in Russland nicht mehr. Ausserdem sind grosse Teile der Währungsreserven der russischen Notenbank «eingefroren». Russland hat wiederum den Umtausch von Rubel in Fremdwährungen grossteils untersagt.

Beobachter haben die Frage aufgeworfen, ob dies nicht das Ende des Dollars als Weltwährung einleiten könnte. Denn nicht nur Russland könnte nun versuchen, mithilfe des Umwegs über China am globalen Finanzsystem teilzunehmen oder in Kryptowährungen zu investieren. Auch anderen Ländern wird vielleicht drastisch vor Augen geführt, dass sie aus einem westlich dominierten Finanzsystem durch Sanktionen der USA und der Europäischen Union schnell ausgeschlossen werden könnten.

Renommierte europäische Ökonomen, die von einer Gruppe an der Universität Chicago befragt wurden, sehen in ihrer Mehrheit jedoch keine solche Gefahr. Gewichtet nach ihrer angegebenen Konfidenz, glauben nur 23%, dass der Dollar wegen der Sanktionen als vorherrschende Weltwährung in Gefahr ist.

Charles Wyplosz, Professor am Graduate Institute in Genf, stellt dabei die Frage nach der Flucht aus der US-Valuta: «Vom Dollar in was? Nicht in den chinesischen Renminbi – der ist nicht voll konvertibel.» Und Kjetil Storesletten erklärt: «Russland wird den Dollar vielleicht weniger nutzen, aber die dominante Rolle des Dollars bleibt – Russland ist zu klein.»

Ricardo Reis von der London School of Economics glaubt, dass es «sehr schwierig ist, eine Alternative zu schaffen und die zum Wachsen zu bringen». In einem Arbeitspapier hat er die Verwendung des Renminbis als Reservewährung untersucht: Die chinesische Währung wird deutlich weniger verwendet, als dies beim Dollar im Jahr 1925 der Fall war, als die Ablösung des Pfunds als Weltwährung begann.

Zu den Befürwortern der These gehört der slowakisch-amerikanische Ökonom Lubos Pastor von der Universität Chicago. Er meint, dass «Gold, Krypto und Renminbi wahrscheinlich Marktanteile zulasten westlicher Währungen wie des Dollars gewinnen werden». Und Jan Pieter Krahnen von der Goethe-Universität Frankfurt beobachtet: «Die Abwendung vom Dollar läuft bereits, da das Finanzsystem schon seit Jahren in der internationalen Politik als Waffe genutzt wird.»

(Quelle der Grafik: The Initiative on Global Markets)