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Der Chart des Tages

Rekordverdächtiger Abschlag.

Frank Heiniger

Im transatlantischen Performancevergleich sind die Rollen klar verteilt: Während US-Aktien über die vergangenen Jahre deutlich zulegen und auch den Coronaeinbruch rasch wegstecken konnten, lieferten die europäischen Valoren eine durchzogene Kursentwicklung. Bereits mehrfach wurde eine Umkehr dieses Stärkeverhältnisses prognostiziert – meist mit der klaren Bewertungsdifferenz als Begründung. Doch bislang hat sich dieser Wechsel nicht eingestellt.

Im Gegenteil: Mit dem Ausbruch des Ukrainekrieges scheinen sich die geografischen Unterschiede akzentuiert zu haben. Zwar sind steigende Inflationsraten und Lieferengpässe rund um den Globus zu spüren. Die Nähe zum Konfliktherd und die grössere Abhängigkeit von russischem Öl und Gas machen die europäische Konjunktur jedoch verwundbarer. Das haben vergangene Woche etwa die divergierenden Einkaufsmanagerindizes (Flash PMI) gezeigt: Während die Frühindikatoren in den USA keine Schwäche zeigten, fielen die Geschäftsaussichten in der Eurozone auf den niedrigsten Stand seit fast eineinhalb Jahren zurück.

Auch wenn der Bewertungsabschlag der europäischen Aktien gemessen am vorwärtsgerichteten Kurs-Gewinn-Verhältnis auf dem höchsten Stand der vergangenen vierunddreissig Jahre notiert (vgl. Chart), ist nicht damit zu rechnen, dass die europäischen Valoren bald die Führungsposition übernehmen werden – vor allem, wenn sich der Ukrainekrieg unvermindert fortsetzen oder gar noch weiter eskalieren sollte.

(Quelle der Grafik: Morgan Stanley)