Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Erstmals wieder positiv.

Martin Lüscher

Am Mittwoch war es so weit: Erstmals seit der Beginn der Pandemie vor mehr als zwei Jahren war die inflationsbereinigte Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen wieder positiv. Die Rendite der inflationsgeschützten Treasuries (Treasury Inflation Protected Securities, TIPS) stieg auf 0,03%, bevor sie im Tagesverlauf in den negativen Bereich drehte. Investoren erwarten also, dass sie über die nächsten zehn Jahre mit zehnjährigen US-Staatsanleihen inflationsbereinigt eine positive Rendite erzielen.

Bemerkenswert an der Entwicklung ist die Geschwindigkeit der Anpassung. Noch am 8. März war die Rendite der zehnjährigen TIPS mit −1,04% deutlich im negativen Bereich. Eine schnellere Anpassung gab es – seitdem es TIPS gibt – laut dem Deutsche-Bank-Strategen Jim Reid zuvor nur während der Finanzkrise 2009 sowie zu Beginn der Pandemie im März 2020. Gestiegen ist die reale Rendite wegen der nominalen Rendite – die Rendite von zehnjährigen US-Treasuries hat sich seit Jahresbeginn auf 2,85% fast verdoppelt – und nicht wegen der Inflationserwartung.

Für Reid ist es aber wichtig festzuhalten, dass die reale Rendite gemessen anhand der aktuellen Inflationsrate durch den Konsumentenpreisindex und der Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen −5,6% beträgt und damit weiterhin «unglaublich negativ ist». Er schenkt dem Mass anhand des Konsumentenpreisindex mehr Glauben, da er daran zweifelt, dass die Inflationsprognose des Bondmarktes «besonders nützlich» ist.

Reid rechnet zwar damit, dass die realen Renditen gemessen anhand des Konsumentenpreisindex in den nächsten Jahren steigen werden, aber nicht schnell genug, um auch nur annähernd positiv zu werden. Er erwartet gar, dass er bis zum Ende seiner Karriere keine positiven realen Renditen mehr erleben wird.

Für Marktteilnehmer ist es nicht unwichtig zu wissen, welche reale Rendite die Realität besser abbildet. Wichtiger ist aber, welcher realen Rendite die Marktteilnehmer mehr Gewicht geben, um die Auswirkung für den Markt abzuleiten. Hier dürfte die reale Rendite gemessen anhand der TIPS die Nase vorne haben, werden sie doch von Akteuren im Bondmarkt bestimmt. Zudem schnitten Sachwertaktien (Value) gegenüber Wachstumstiteln (Growth) in den vergangenen Wochen deutlich besser ab, was bei steigenden realen Renditen zu erwarten war.

(Quelle der Grafik: S&P Global Market Intelligence und Deutsche Bank)