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Der Chart des Tages

Staatsschulden bald wieder im Fokus.

Alexander Trentin

Die Staaten der Eurozone mussten in den vergangenen Jahren für ihre Schulden kaum Zinsen bezahlen – wenn sich das ändert, wird es unangenehm. Die obige Grafik zeigt ein Szenario von HSBC, wie sich die Zinslast nächstes Jahr und bis zum Jahr 2030 entwickeln könnte, falls sich die Zinskurve um 1 Prozentpunkt nach oben verschiebt. Also die Renditen für alle Laufzeiten dementsprechend steigen.

Demnach müsste der italienische Staat im nächsten Jahr 0,3% und im Jahr 2030 über 1,4% des Bruttoinlandprodukts zur Bedienung der Schulden aufwenden. In der Eurozone insgesamt könnten sich die Zinsaufwendungen von 0,2 auf 0,9% des BIP erhöhen.

Diese Werte könnten leicht übertroffen werden, argumentieren die HSBC-Analysten. Denn es sieht danach aus, dass sich die Staaten weiter verschulden werden. Die Märkte könnten sich dann – erstmals seit der Eurokrise – wieder Gedanken über die Solvenz der Staaten machen, warnen die Analysten: «Das könnte zu einem erneuten Druck auf die Renditeaufschläge der Peripherieländer und zum Risiko der Fragmentierung des Marktes führen.»

Wie in der Eurokrise müssten dann Staaten mit hohen Schulden wie Italien und Griechenland wieder höhere Coupons bezahlen. Das würde ihre Haushaltslage noch weiter verschärfen. Die EZB könnte dann zwar wieder eingreifen, meint HSBC, doch das könnte sich nicht nur aus rechtlichen und technischen Gründen als problematisch erweisen: «Je grösser die Haushaltsdefizite, desto schwieriger wird es politisch für die EZB, ein Sicherheitsnetz aufzuspannen.»

(Quelle der Grafik: HSBC)

Leser-Kommentare

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c.schmoele 06.05.2022 - 08:37

Die Grundhypothese des Euro, die Länder würden sich angleichen, ist als falsch erwiesen. Ganz im Gegenteil divergieren die Entwicklungen. Zukleistern durch EZB Ankäufe liefe der Inflationsbekämpfung zuwider. Verboten lt Maastricht sowieso. Folge: Der Euro kann nur mit hoher Inflation überleben.