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Der Chart des Tages

Besser als nichts?

Martin Lüscher

In der Ökonomie gibt es viele Theorien. Praxistauglich sind sie aber leider nicht immer. Das gilt beispielsweise für die Theorie, dass Inflation ein monetäres Problem ist. Dass also ein hohes Geldmengenwachstum die Inflation antreibt.

Wie der unabhängige Finanzmarktstratege Joachim Klement schreibt, gibt es «weder einen stabilen Zusammenhang zwischen Geldangebot und Inflation noch zwischen Inflation und langfristigen Zinsen». Das bestätigt der Blick auf die Geschichte von Grossbritannien.

Führte Ende des 19. Jahrhunderts ein Anstieg des Geldangebots um 1% zu einer Inflationssteigerung von 4%, beträgt die Steigerung heuer nur noch 0,08% (grüne Linie und linke Skala). «Experten, die behaupten, dass das Drucken von Geld durch die Zentralbanken zu Inflation führt, sollten nicht ernst genommen werden», urteilt Klement entsprechend.

Doch es kommt noch schlimmer. Die blaue Kurve (rechte Skala) zeigt den realen langfristigen Zins. Dieser ist grossen Schwankungen unterworfen und laut Klement nicht stationär – er hat also kein Gleichgewicht. Das ist ein Problem, suchen die Währungshüter doch den neutralen Zins – bei welchem die Inflation in Schach und die Arbeitslosenrate niedrig gehalten werden kann.

Die blaue Kurve zeigt gemäss Klement zwar nicht den neutralen Zins, komme ihm jedoch sehr nahe. «Wir können den neutralen Zins aber nicht nur nicht messen, sondern er verändert sich im Laufe der Zeit und nähert sich nie einem stabilen Gleichgewichtsniveau – nicht einmal auf sehr, sehr lange Sicht.»

Zusammen mit der Erkenntnis, dass Inflationserwartungen keinen Einfluss auf die Inflation haben, sehen sich Währungshüter in den Worten von Klement mit folgendem Problem konfrontiert: «Die Zentralbanker versuchen, die Inflation zu steuern, indem sie den neutralen Zins anpeilen, den sie anhand der Inflationserwartungen bestimmen und durch Anpassung der Geldmenge über Änderungen der Leitzinsen beeinflussen. Leider gibt es keine Beziehung zwischen Geldmenge und Inflation oder Inflationserwartungen und Inflation, und die Höhe des neutralen Zinses ändert sich ständig.»

Besser als nichts?

(Quelle der Grafik: Jorda et al. (2017), Macrohistory Database via Klement on Investing)