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Der Chart des Tages

Eine andere Sicht auf Aktienbewertungen.

Alexander Trentin

Aktuell wird darüber spekuliert, wie sich die hohe Inflation und die steigenden Zinsen auf die Aktienkurse noch auswirken werden. Die Bewertung vieler Aktien erscheint relativ hoch – dadurch sind die Kurse möglicherweise besonders anfällig für eine Korrektur wegen der höheren Zinsen.

So befindet sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der US-Benchmark S&P 500 schon im Sinkflug. Gemäss dem geschätzten Gewinn für die nächsten zwölf Monate beträgt das KGV um die 18. Dieses Bewertungsmass war während der Coronakrise im Frühjahr 2020 zeitweise auf 14 gefallen und erhöhte sich danach schnell auf fast 25.

Viel weniger volatil sehen die Bewertungen aus, wenn man sie ins Verhältnis zu den Zinsen setzt. Die Realzinsen erscheinen dazu am sinnvollsten: Dadurch werden auch die Inflationserwartungen berücksichtigt. Je höher die Realzinsen, umso unattraktiver sollten die künftigen Gewinnausschüttungen der Aktien sein und umso tiefer die Bewertungen.

Die obige Grafik zeugt von der Konsistenz dieses Ansatzes einer Aktienprämie. Diese wird berechnet aus der Gewinnrendite der Aktien – die dem Kehrwert des KGV entspricht – abzüglich der realen Renditen der Anleihen.

Über die vergangenen Jahre bewegte sich die Prämie um 6%. Von einer Überbewertung wie während der Dotcom-Blase um das Jahr 2000 – als diese Prämie auf 0% fiel – kann keine Rede sein.

Die Aktienkurse können demnach tatsächlich auch weiterhin unter Druck kommen – wenn sich die Realrendite nach oben bewegt. Doch allzu stark dürfte dieses Renditemass nicht steigen. Denn das Fed und andere Notenbanken sind sich sehr bewusst, dass sie im Hinblick auf die Konjunktur vorsichtig agieren müssen: Die Nominalrenditen wird man nur im Tandem mit dem Inflationsausblick steigen lassen.

(Quelle der Grafik: Yardeni Research)

Leser-Kommentare

oliver schmid 06.05.2022 - 10:43
“Denn das Fed und andere Notenbanken sind sich sehr bewusst, dass sie im Hinblick auf die Konjunktur vorsichtig agieren müssen” Diese Aussage ist so nicht ganz richtig. Das FED hat klar mitgeteilt, dass die Preisstabilität nun 1. Priorität hat, also Inflationsbekämpfung. Den hohen Aktienkursen wird keine Bedeutung mehr zugemessen. Anders die EZB, die sich immer noch um Zinserhöhungen herumdrückt und… Weiterlesen »