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Der Chart des Tages

Zinsanstieg zerlegt Österreichs hundertjährige Anleihe.

Andreas Neinhaus

Österreichs Schatzamt bewies 2020 ein perfektes Gefühl für Timing. Just als Staatsanleihen der Republik am Markt negativ verzinst wurden, legte die Tresorerie eine hundertjährige Staatsanleihe auf. Mit einem Coupon von 0,85% pro Jahr versehen, wird sie im Mai 2120 zurückgezahlt. Anleihen mit einer Laufzeit länger als ein Menschenleben sind Vertrauenssache, gedacht für institutionelle Anleger, die ebenfalls ultralange Verbindlichkeiten eingegangen sind. Und es versteht sich von selbst, dass der Schuldner erstklassige Referenzen aufweisen muss, damit sicher ist, dass er auch in hundert Jahren noch zahlungsfähig sein wird.

Allerdings ist die Anleihe im ersten grossen Gewitter an den Bondmärkten bereits massiv unter Druck geraten. Seit die Marktzinsen an den Bondmärkten Ende vergangenen Jahres nach oben geschossen sind, hat sich die Hundertjährige im Kurs halbiert. Am Freitag wurde 0,85% Republik Österreich 2020/2120 zu 53% gehandelt. Damit hat sie mehr als doppelt so viel an Wert eingebüsst wie zehnjährige österreichische Staatsanleihen.

Langläufer leiden besonders stark unter dem Ausverkauf an den Zinsmärkten. Die Hundertjährige verhält sich wie ein spekulatives Vehikel: Kurz nach ihrer Emission zu 100% kletterte der Kurs gegen 140%. Und nun die Talfahrt auf 51%. Auf diesem Niveau dürfte mancher Trader überlegen, einzusteigen, um auf den nächsten Kursanstieg zu setzen. Die Volatilität ist hoch. Fest steht nur, dass die Staatsanleihe zum Kurs von 100% zurückgezahlt wird – in achtundneunzig Jahren.

Leser-Kommentare

Franz Schulz 09.05.2022 - 12:57

Mit dem Einstieg kann man m.e. noch lange warten. Bei 7% Rendite wäre der Kurs bei 31%.