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Der Chart des Tages

Stimmung im Keller.

Frank Heiniger

Die Angst, dass im Kampf gegen die Inflation die Geldpolitik gestrafft wird und die Zinsen weiter steigen, hat die Aktienmärkte noch immer fest im Griff. Nach einem schwachen April setzt sich die Talfahrt im Mai fort.

Lichtblicke gibt es zurzeit nur wenige – ausser vielleicht, dass die Investorenstimmung am Boden ist. Denn diese wird in der Regel als Kontraindikator genutzt. Sprich: Wenn sich in Bullenzyklen eine gefährliche Sorglosigkeit respektive in Bärenphasen ein übertriebener Pessimismus breitgemacht hat, können bereits kleine Schocks respektive positive Überraschungen ausreichen, um eine Gegenbewegung auszulösen.

Wie schlecht die aktuelle Stimmung ist, illustriert die Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII). Sie bildet ab, welche Kursentwicklung die US-Privatanleger für die kommenden sechs Monate erwarten. Jüngst hat sich beim Verhältnis der Anteile von Bullen und Bären die Mehrheit der Pessimisten deutlich ausgeweitet. Der AAII-Bull-Bear-Spread notiert inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2008/09 und mehr als zwei Standardabweichungen unter seinem langfristigen Durchschnitt.

Wenn seit 2008 der AAII-Bull-Bear-Spread zwei Standardabweichungen unter sein Mittel gefallen war, legte der S&P 500 laut UniCredit in den sechs Monaten danach durchschnittlich um 15% zu. Die zugrundeliegende Anzahl an Beobachtungen ist allerdings viel zu klein, als dass dieses positive Szenario in Stein gemeisselt wäre.

(Quelle der Grafik: UniCredit)