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Der Chart des Tages

Wachstumsbremse China.

Peter Rohner

Wachstumslokomotive, Konjunkturmotor – so wird die wirtschaftliche Rolle der Volksrepublik seit Jahrzehnten beschrieben. Während das Bruttoinlandprodukt (BIP) in den gesättigten Industrienationenen des Westens, wenn es hochkommt, 3% im Jahr zunimmt, sorgt China mit der rasanten Industrialisierung und Urbanisierung Jahr für Jahr für ein Wachstum von 6% und mehr.

Doch auch Chinas Wachstum stösst an Grenzen, denn die Kehrseite des jahrelangen Booms ist eine massive Zunahme der Verschuldung, die die Regierung unter Kontrolle bringen möchte. Gleichzeitig lähmt die Omikronvariante des Coronavirus die chinesische Wirtschaft, weil Peking seit Beginn der Pandemie auf eine Null-Covid-Strategie setzt und die Bevölkerung ungenügend geimpft ist. Regionale Lockdowns sind die Folge. Ganze Teile der Wirtschaft stehen still. Der Konsum bricht ein. Und die Wachstumsprognosen werden gekappt.

Gemäss Schätzung der Deutschen Bank wird Chinas Wirtschaft dieses Jahr nur noch 3,3% wachsen. Es wäre nach dem Coronaschockjahr 2020 die niedrigste Zuwachsrate seit den Reformen unter Deng Xiaoping vor über vierzig Jahren.

Die Regierung steckt im Dilemma. Sie will eine stabile Wirtschaft, aber möglichst wenige Coronaopfer und keine Schuldenexzesse, auch nicht im Immobilienmarkt.

Doch dort sieht sie im Moment die einzige Stimulierungsmöglichkeit. Diese Woche wurden die Banken angehalten, den für Hypotheken massgeblichen fünfjährigen Kreditzins von 4,6 auf 4,45% zu senken. Ob diese Stützungsmassnahmen reichen, den Abwärtstrend zu brechen und die globalen Rezessionsängste zu zerstreuen, wird sich weisen.

(Quelle der Grafik: Deutsche Bank)