Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Die Inflation in den USA wird sinken.

André Kühnlenz

Ob die Einkaufsmanagerbefragung oder die monatlichen Erhebungen der grossen regionalen Federal-Reserve-Banken: In den USA zeigt sich im Mai ein schwächeres Wachstum in der Industrie und bei den Dienstleistern, während die Preise stärker zulegen. Zusammen mit den steigenden Ölpreisen verstärkt dies die Furcht der Investoren vor einer Stagflation, also schwachem Wirtschaftswachstum bei anhaltend hoher Inflation.

Die US-Ökonomen Troy Ludtka und Joseph Lavorgna bei der Investmentbank Natixis machen auf einen interessanten Zusammenhang aufmerksam. Die Einkommen der US-Haushalte laufen der Inflation in der Regel ein Jahr voraus.

Konkret geht es hier um das inflationsbereinigte Einkommen nach Steuern, das auch reales verfügbares Einkommen genannt wird.

Im Chart ist als dunkle Kurve die Veränderung der realen Einkommen im Vergleich zu sechs Monaten zuvor zu sehen, auf das Jahr hochgerechnet. Die graue Kurve zeigt die Jahresrate der Kerninflation (ohne Nahrung und Energie).

Aktuell rechnen die Fachleute damit, dass die Teuerung bald nachlassen wird. Steigen die Preise stärker, kaufen die Konsumenten weniger Güter und Dienstleistungen.

«Da die realen Einkommen, die Quelle der Nachfrage, sehr schnell sinken, sollte auch die Inflation sinken», schreiben sie. Die hohen Preise für notwendige Güter wie Nahrungsmittel, Energie und Wohnraum zwingen die Verbraucher dazu, ihre Ersparnisse abzubauen. Dies könnte sich stark auf die Ermessensausgaben (z.B. Freizeit, Unterhaltung, Kleidung) und die damit verbundenen Preise auswirken.

Aber auch die Unternehmen werden auf die steigenden Zinsen und Anschaffungskosten reagieren. «Infolgedessen dürfte die Inflation schneller zurückgehen als von vielen erwartet», schreiben die beiden Volkswirte. Ende 2022 werde die Inflation bei 5,4% (4,2% in der Kernrate) liegen, bevor sie bis zum Ende des nächsten Jahres auf 2% (bzw. 2,1%) sinken soll.

(Quelle der Grafik: Natixis)

Leser-Kommentare

oliver schmid 01.06.2022 - 10:37
Solange der Arbeitsmarkt ausgetrocknet ist, steigen die Löhne und daher bleib auch die Kaufkraft stabil. Zudem werden in den USA ja vielfach auch die Hypotheken erhöht, um zu konsumieren. Da sich die Immobilienpreisen in den letzten Jahren fast überall verdoppelt haben, ist hier noch jede Menge Kaufkraft. Daher ist eine Inflationsprognos für Ende nächsten Jahres von 2% völliger nonsens. Zumal… Weiterlesen »