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Der Chart des Tages

Schmerzgrenze des Fed noch nicht erreicht.

Alexander Trentin

Noch wichtiger als die Aktienmärkte sind als Signalgeber für die US-Notenbank die Anleihen. Schiessen die Risikoprämien (Spreads) der Unternehmensanleihen zu schnell nach oben, können sich direkter als bei fallenden Aktienkursen negative realwirtschaftliche Konsequenzen ergeben. Die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen erschweren sich zu abrupt, das Wachstum nimmt Schaden.

Die obige Grafik zeigt die Spreads auf Unternehmensanleihen mit Anlagequalität (Investment Grade) in Basispunkten (Bp, ein Hundertstelprozentpunkt). Eingezeichnet sind drei historische Begebenheiten, in denen das Fed sich dem Signal des Bondmarktes gebeugt hat. Gemäss den Analysten der Bank of America ist der Spread der zuverlässigste Indikator, um eine Wende des Fed zu einer «dovishen» Ausrichtung, also einer lockereren Geldpolitik, vorherzusagen.

Im Mai/Juni 2013 sorgte das Taper Tantrum dafür, dass Ben Bernanke die Reduzierung der Anleihenkäufe nicht weiterverfolgt hat. Damals waren die Spreads auf fast 100 Basispunkte gestiegen.

Im September 2015 verschob Janet Yellen wegen eines Anstiegs des Risikoaufschlags die erste Zinserhöhung. Und im Dezember 2018 sorgte die Aussage von Jerome Powell für Verwerfungen am Bondmarkt, dass das Fed trotz wirtschaftlichen Schwächezeichen eine weitere Straffung der Geldpolitik anstrebe. Die Reaktion des Anleihenmarktes verhalf dann zur Einsicht, dass die US-Wirtschaft für höhere Leitzinsen doch nicht bereit ist.

Nun notiert der Spread für Investment Grade wieder um rund 90 Bp. Ist die Schmerzgrenze für das Fed schon erreicht? Gemäss der Bank of America noch nicht, denn im Vergleich zu den vorherigen Wendepunkten der Geldpolitik ist diesmal die Inflation ein viel grösseres Problem. Der Fokus der Notenbanker auf die Inflationsbekämpfung bedeute, dass das Fed diesmal auch einen höheren Risikoaufschlag akzeptieren werde, bevor es von einer weiteren Straffung der Geldpolitik absehe.

(Quelle der Grafik: Bank of America)

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