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Der Chart des Tages

Don't Blame the Fed. Die Probleme der Emerging Markets sitzen tiefer.

Peter Rohner

EMUS
Quelle: Capital Economics

Die Grafik zeigt in Grau die Renditen zehnjähriger US-Treasuries (rechte Skala, in %) und in Blau die relative Performance der Schwellenländeraktien, gemessen als Verhältnis des MSCI Emerging Markets zum MSCI-Weltindex. Am aktuellen Rand ist zu erkennen, dass die US-Langfristzinsen seit Anfang Jahr von über 3 auf 2,6% gefallen sind, während sich der Ausverkauf der Schwellenländeraktien akzentuiert hat. Damit ist klar, die jüngste Episode der Schwellenländerturbulenzen hatte nichts mit der Drosselung der Anleihenkäufe (Tapering) durch das Fed und der Angst vor steigenden Zinsen zu tun. Die Langfristzinsen, die die in Zukunft erwarteten kurzfristigen Zinsen reflektieren, sind sogar gefallen.

Ganz anders war es im Sommer 2013, als der Anstieg der US-Anleihenrenditen zu einem massiven Einbruch der aufstrebenden Märkte führte, wie die fallende blaue Linie verdeutlicht. Die Logik: Das Verebben der Liquiditätsschwemme, die die Emerging Markets überflutet und die Vermögenspreise nach oben getrieben hatte, würde das Ende der Party bedeuten. Höhere Zinsen in den USA würden zu einem Kapitalabfluss von den Schwellenländern führen, da ihr Zinsvorteil das Risiko nicht mehr wert wäre.

Aber bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass die relative Performance der Schwellenländeraktien schon lange davor nach unten zeigte. Der Wendepunkt war im Jahr 2011. Seither entwickeln sich die Emerging Markets schlechter als die Märkte der Industrienationen. In dieser Phase haben auch die Rohstoffmärkte ihren Höhepunkt erreicht; das ist kein Zufall, hängt doch das Wachstum der Schwellenländer in hohem Grad von den Rohstoffmärkten und von der Nachfrage Chinas ab. Beide haben, wie wir wissen, in den vergangenen drei Jahren an Dynamik verloren.

Die Rohstoffabhängigkeit ist aber nur ein Aspekt der Schwellenländerschwäche. Gleichzeitig haben viele aufstrebende Länder mit einem kreditgetriebenen Konsumboom eine Verschlechterung der Zahlungsbilanz erfahren. Wichtige Reformen zur Verbesserung der Produktivität wurden nicht angegangen. Dazu werden nun die demokratischen Defizite, die während der Boomjahre von ausländischen Investoren ignoriert wurden, wieder als Risikofaktor wahrgenommen.

Den Chart vom Vortag finden Sie hier.

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