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Der Chart des Tages

Wie gut die Staaten den Zinsanstieg verkraften.

Peter Rohner

Die Inflation ist für die Schuldentragfähigkeit ein zweischneidiges Schwert. Der Anstieg des nominalen Bruttoinlandprodukts (BIP) führt automatisch zu einer Verbesserung der Schuldenquote – gemessen als Verbindlichkeiten in Prozent des BIP. Die steigenden Zinsen aber verteuern den Schuldendienst. Letztes hat die Ratingagentur S&P Global untersucht und simuliert, wie sich ein Anstieg des Zinsniveaus auf die künftigen Zinsausgaben der Staaten auswirken würde.

Im günstigen Szenario liegen Zinsen in den nächsten drei Jahren für eine Neuemission 1 Prozentpunkte über dem aktuellen Niveau, im zweiten Fall betragen die Zusatzkosten 3 Prozentpunkte.

Wie die Simulation zeigt, ist der Effekt für die meisten Staaten nicht so gross, weil sie sich in den vergangenen Jahren zu besten Konditionen langfristig finanziert haben und in den kommenden Jahren nur wenig auslaufende Papiere erneuern müssen. Rund sieben Jahre beträgt die durchschnittliche Restlaufzeit.

Durch einen Zinsschock um 3 Prozentpunkte würde der durchschnittliche Zinsaufwand für die Industriestaaten von 2,2 auf 3,2% des BIP zunehmen. Das wäre gemäss S&P Global noch zu bewältigen und würde zum Beispiel für Frankreich eine Zinskostenquote wie zuletzt im Jahr 2016 bedeuten.

Aber es gibt Ausreisser: Für Italien, das jährlich rund 20% des Schuldenbestandes erneuern muss, würde der Zinsschock bis 2025 die Finanzierungskosten auf 5,5% des BIP erhöhen, nota bene ohne Berücksichtigung von Zweitrundeneffekten. Das wäre dann vergleichbar mit den Zinskosten im Jahr 2012.

In Spanien hingegen wäre der Effekt kleiner und die Zinskosten sind heute schon viel niedriger als in Italien. Auch Griechenland hat wenig zu befürchten, sind die Schulden hauptsächlich in öffentlicher Hand und von sehr langfristiger Natur. Die geplanten Massnahmen der EZB, um eine Fragmentierung des Anleihenmarkts der Eurozone zu verhindern. sind also vor allem für Italien wichtig. Denn da hängt die Schuldensituation am stärksten von den Zinsen ab.

In den Schwellenländern identifiziert die Simulation vor allem in der Ukraine, Ägypten und Ghana erhebliche Probleme, aber auch in Ungarn und Brasilien.

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